Dany Mittendrin _ Ein Au-Pair Jahr im Reich der Mitte

8.816 Kilometer entfernt von zu Hause

04Oktober
2017

Das ist China, wie man es sich vorstellt

 Diesen Morgen geht es mal "pünktlich" und nach Plan los. Nuja, für chinesische Verhältnisse pünktlich. Immerhin nur mit einer halben Stunde Verspätung. Warum genau sagt man mir, dass ich um 8 aufstehen soll, wenn man sein Kind, dass mindestens eine halbe bis 3/4 Stunde zum frühstücken braucht und sich noch waschen/anziehen/Zähneputzen/ Haare flechten lassen muss, erst halb 9 weckt? Wenn wir um 9 los wollen?  Naja, Zeitmanagement ist ja hier bekanntlich ein Fremdwort. Am Ende fahren wir dann 3/4 zehn auch los und ich kann vorher noch in aller Ruhe Wäsche waschen.... Wohin es geht? Ihr werdet sehen:

 
Mit dem (ziemlich zugemüllten) Auto von Xiaobaos Mutter fahren wir fünf (Xiaobao, Judy, deren Mütter und ich) circa eine Stunde oder etwas länger in einen anderen Stadtteil (Bzw. ein von Xuancheng eingemeindetes Dorf.)
In diesem wird das berühmte Xuan Papier hergestellt, was sogar zum UNESCO- Weltkulturerbe gehört. Allein schon der Anblick, als wir aus dem Auto steigen, lässt mich mit offenem Mund dastehen. Diese Landschaft 😍einfach atemberaubend. Durchzogen von tropischer Vegetation, erstrecken sich sattgrüne Berge mit runden Kuppen in alle Richtungen, so weit das Auge reicht. Tiefe Wolken und dichte Nebelschwaden umwabern die Spitzen der Berge, die dadurch teilweise nicht mehr zu sehen sind. Man weiß nicht mehr, wo der Himmel anfängt und die Erde aufhört. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es ist kühl, aber es fühlt sich einfach nur genau richtig an und passt zu diesem eindrucksvollen Ort. Die meiste Zeit bin ich damit beschäftigt, Judy und Xiaobao einzufangen, die mal wieder keine Ohren haben, während ihre Eltern an der Kasse stehen. Aber das kann meine Bewunderung für diesen Ort um keinen Schimmer trüben. 
 
Doch das war erst der Anfang...
Durch eine große Halle gehen wir in das Xuan-Papier-Museum. Das ist weniger ein Museum, als eher ein großer Platz mit vielen kleinen chinesischen Häusern. Inmitten des Eingangsbereiches befindet sich eine große Grünfläche mit kleinen Bäumchen. Hier startet unsere Tour. Die Bäume sind, wie uns die Touristenführerin erklärt, Sandelholzbäume, aus deren Rinde das Xuan Papier zu großen Teilen besteht. Daraus ist im übrigen auch der Kamm gemacht, den mir meine Gastmama geschenkt hat :)
 
 
 
 
 
Diese Berge...
 
 
Anschließend geht es weiter in eine Ausstellung mit ganz vielen Schildern auf Chinesisch und ein paar ausgestellten Papierfetzen und Büchern. Ich verstehe leider weder die Texte, noch die Führerin und passe auf, dass die Kinder keinen Blödsinn anstellen. Meine Gastmama ist so nett, mir zumindest zu übersetzen, dass das Papier, je nachdem, welche Eigenschaften gewünscht sind, zu einem bestimmten Prozentsatz aus Sandelholz und zum Rest aus Reis bzw. den Blättern der Reispflanze besteht. 
 
Dann geht es weiter zum interessanteren Teil der Ausstellung. Dem größten von Hand geschöpften Papier der Welt inclusive Schöpfrahmen und Utensilien. Es misst 11 x 3,3 Meter und wurde im März 2016 fertiggestellt. Nachdem wir noch ein paar Bilder mit chinesischer Kalligrafie anschauen, wird es dann so richtig cool. 
 
Ich bin einfach extrem beeindruckt von diesem Ort, an dem man die chinesische Kultur von Jahrtausenden quasi anfassen kann. 
Es geht in eine Schauwerkstatt, in der die wichtigsten Produktionsschritte des Papiers dargestellt werden. 
 
Zu erst wird die Rinde von den Bäumen gelöst, in kleinere Stücke geschnitten und dann von einem riesigenHolzpflock plattgehämmert. Anschließend werden mehrere Lagen der mittlerweile hauchdünnen Rinde übereinandergelegt, zu einem Klotz geformt und dann mit einem Messer in kleine Stückchen geschnitten. Diese werden dann in einen Stoffbeutel gegeben, welcher im einem Wasserbecken hin und hergeschwenkt wird, um das Holz weiter aufzuweichen. Der Holzbrei kommt in einen Bottich, in dem er mit den Füßen breitgestampft wird. Dann wird das ganze durch eine Art Sieb in dünne Streifen gebracht und zwei bis acht Monate zum trocknen auf die Hänge der umliegenden Berge gelegt. Also, soweit ich das richtig verstanden habe. 
 
Irgendwann kommt dann auch noch der Reis dazu und das ganze wird durchmischt, kommt in einen großen Bottich und wird geschöpft. (Heute geht das ganze sicherlich maschinell von statten, aber diese alten Arbeitsschritte sind trotzdem sehr interessant) der Schöpfrahmen besteht aus Bambus, das Sieb, durch das das Wasser ausgepresst wird, aus "Silbergras". Das hauchdünne, geschöpfte Papier wird dann über eine warme Steinplatte gehangen und so getrocknet. Der Mann, der den Trocknungsprozess durchführt ist übrigens ein "Master of cultural heritage" oder so ähnlich und war bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking einer der Fackelträger für das Olympische Feuer.
Danach kann das Papier mit traditionellen Pinseln aus Piniennadeln bemalt werden, oder man nutzt es zur Kalligrafie. In einem anderen Raum kann man dann einen Mann beobachten, der traditionelle chinesische Bilder auf das Papier malt. Ich finde diese Maltechnik und den Stil der Gemälde einfach nur faszinierend und schaue ihm eine kleine Ewigkeit dabei zu, wie er mit zarten Pinselstrichen einen Vogel und Laubblätter auf das Papier bringt. Es entsteht sogar eine kleine Unterhaltung auf Chinesisch, bei der ich leider nur fast alles, was er sagt nicht verstehe. 
 
Es scheint in dieser Region auch einen ziemlich starken Dialekt zu geben und die Leute sprechen extrem schnell, wodurch ich auch bei allen Verwandten echt Probleme habe, auch nur ein einziges Wort zu verstehen. An die Stimme und die Vokabeln meiner Gastmutter bin ich aber wahrscheinlich jetzt einfach so gut gewöhnt, dass ich zumindest erahnen kann, worüber sie spricht. 
 
Nachdem wir noch eine Weile durch eine Galerie laufen, in der Xuanpapier mit Gemälden ausgestellt ist, welches noch vom letzten Kaiserreich stammt, steigen wir dann auch wieder ins Auto. Ich denke schon: Ein schöner Ausflug, aber schade, dass wir jetzt schon wieder zurückfahren. Ich könnte noch Stunden lang diese Berge betrachten. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass es noch viel besser wird....
 
 
 
 
Mal ein Bild von mir. Man muss ja auch sehen, dass ich da war ^^ Ein Pinsel aus Piniennadeln Chinesische Malerei Der Olympiafackelträger Papier schöpfen So sieht es in groß aus Hier wird der Holzbrei gewässert und anschließend gestampft Die Rinde wird breitgeklopft Noch mehr Berge
 
 
Denn irgendwo müssen wir ja etwas zum Mittagessen auftreiben. Also fahren wir einige hundert meter weiter in die Richtung, wo uns die Reiseleiterin gesagt hat, angeblich ein Restaurant sein soll. Auf einer kleinen Huckelstraße geht es durch ein winziges, total altes Dorf. 
Hier sieht es genau so aus, wie man sich Chinas Landleben vorstellt. Die Straßen sind staubig und umsäumt von kleinen Hütten, in denen die Menschen leben. Die Wohnräume sind klein und haben große, garagenartige Türen, die immer offen stehen (falls es überhaupt welche gibt.) manch einer hat den Tisch vor die Haustür gestellt, um mehr Platz zu haben und hier und da köchelt eine Suppe vor sich hin. Des öfteren streunen ein paar Hunde vorbei und schnuppern, ob sie etwas essbares finden.
 
Das "Restaurant" in das wir gehen wollten entpuppt sich als ebensolche Hütte, in der einige Kinder auf dem Betonboden sitzen und spielen, eine Frau nebenan in ihrem Eimerchen Wäsche wäscht, und irgendwo im Hinterzimmer scheinbar jemand kocht. Es sieht alles sehr spartanisch und etwas schmuddelig aus, trotzdem bin ich ein bisschen enttäuscht, als sich meine Familie entschließt, nicht dort zu essen. So habe ich mir China schließlich vorgestellt. 
 
Also fahren wir weiter über serpentinenartige Straßen (die mich stark an Madeira erinnern) den Berg hinauf und ich sitze die ganze Zeit über beide Wangen grinsend und mit offenem Mund im Auto, so beeindruckt bin ich. 
 
Unsere Endstation ist schließlich eine kleine Herberge mit Restaurant inmitten eines Kessels von Bergen. 
Der Ort nennt sich 山里人家(shang li ren jia) wie ich einem Schild entnehmen kann. Das bedeutet übersetzt so viel wie "Heimat der Menschen in den Bergen" und ist ziemlich zutreffend. Ich muss euch sicher nicht erzählen, wie glücklich ich darüber bin, dieses Schild lesen zu können, oder?  
 
Auch hier ist es sehr ländlich und traditionell. Ich laufe über eine knarzende Holzbrücke mit grünem Geländer, bei der ich nicht weiß, wie lange die Bodendielen noch halten. Überall laufen Hühner herum, die sich in der Erde wälzen, munter über die Straße hüpfen und im Hintergarten von einer Frau mit stinkenden Küchenabfällen gefüttert, welche mir sehr belustigt dabei zuschaut, wie ich versuche, den Hahn zu fotografieren und mir schüchtern zuwinkt. Neben dem Restaurant steht übrigens ein großes Schild, auf dem Hühner abgebildet sind. Die scheint es hier also zu Essen zu geben. Wie man die allerdings einfangen will, ist mir ein Rätsel. 
 
Einige Minuten später sitzen wir dann draußen auf Holzschemeln auf der Terrasse der Pension und essen frisch aus dem Teich gefangenen Fisch, Rührei, Tomatensuppe und Gemüse mit Reis. Es ist kühl und ein bisschen windig, die Luft riecht nach Nebel. Ab und zu kommt eine Familie mit singenden Kindern den Berg hochgewandert, Menschen tuckern mit ihren Mopeds vorbei, eine Frau schwenkt einen Käscher im Teich herum und es sieht aus, als wöllte sie darin ihre Kleider waschen. Ansonsten ist alles ruhig und man hört nur das Rauschen des Windes und das Zirpen der Grillen. So eine Stille hat man in China sonst nie. Man hört sonst immer irgendwo hupende Autos, herumwuselnde Menschen oder den Straßenverkehr und die zahlreichen Baustellen. Doch dieser Ort inmitten der Berge ist eine ganz eigene, magische Welt. 
 
Ich kann mir gut vorstellen, wie es sich anfühlt, morgens in der Kühlen Luft in den kleinen Zimmerchen der Pension aufzuwachen, sich an dem scheinbar einzigen Waschbecken draußen mit eisigem Wasser das Gesicht zu waschen. Auch die Toilette hier ist nicht nur olfaktorisch ein Erlebnis. Ich glaube, unser Keller ist attraktiver, als dieser winzige, schmuddelige Betonraum mit kaputter Tür und Loch im Boden. Tatsächlich gibt es sogar eine Wasserspülung, das hätte ich nun nicht erwartet ^^
 
 
 
 
 
Das Dorf Hier das Schild, was ich lesen konnte Put put put...
 
 
Am Nachmittag fahren wir dann weiter zu einem Soldatenfriedhof, der als Andenken an die, durch einen Überfall der Tibetischen Armee gefallenen, Kommunistischen Soldatentruppen gilt. Also steigen wir 300 Stufen nach oben zu einer Gedenksäule, die Mal Zedong errichten lassen hat, laufen eine weile rundherum, starren auf schwarze Gedenktafeln, auf denen irgendetwas chinesisches eingraviert ist und verschwinden dann nach einer Weile wieder, weil es anfängt, zu regnen.
 
Soldatendenkmal 300 Stufen Das Mao Denkmal
 
 
 
 
Dann fahren wir wieder 1 1/2 Stunden Auto. Judy und Xiaobao bauen Höhlen aus Tüchern auf dem Rücksitz, springen im Auto herum und veranstalten ein ziemliches Chaos. Auf der Hinfahrt habe ich sie ja zumindest noch anschnallen können (was bei allen große Verwunderung ausgelöst hat), aber rückzu hat Judy so schlimme Wutanfälle gegenüber ihrer Mutter und mir, dass es mir dann zu doof wird. Anschnallen und Kindersitze sind in China ja eh nicht so in Mode und den Eltern scheint es auch egal zu sein, was ihre Kinder auf der Rücksitzbank so treiben. 
 
Trotzdem fühle ich mich ziemlich unwohl dabei, da Xiaobaos Mutter auch nicht gerade die beste Fahrerin ist und ofter mal plötzlich stark bremst. Außerdem komme ich mir sehr blöd vor, da ich den ganzen Tag kaum mit den Kindern geredet habe, da Judy mich entweder nicht sehen wollte, oder beide Mädchen total vertieft in ihr Spiel waren. 
 
Immerhin ist Xiaobao mittlerweile aufgetaut, sagt ab und zu zwei Wörter in Englisch oder stellt Fragen mit der Übersetzungsapp ihrer Mama. "Danya Jiejie, how old are you? I am five. Do you know how old this paper is?" Echt niedlich die Maus. 
 
Am Abend verpasst sie mit den Worten "Hey, setzt dich aml aufs Sofa und entspann dich" spontan für drei Minuten eine "chinesische Massage" = auf meinem Rücken, Armen und Beinen herumklopfen, mit de Ellenbogen in meine Schultern drücken, meine Arme hochheben und durchschütteln und mir in die Beine kneifen 😅 Das ist ziemlich witzig und knuffig. Ich mag dieses Kind. Sie ist nicht so abgedreht, wie der Rest der chinesischen Kinder. 
Ansonsten passiert an diesem Abend dann auch nicht mehr viel und zum Glück gehen alle früh ins Bett :)
03Oktober
2017

Zurück in die Provinz

Am 1. Oktober findet der Chinesische Nationalfeiertag statt. Daraufhin folgt die "Golden Week", die Woche, in der alle Chinesen Urlaub haben und eine riesige Völkerwanderung durch ganz China ausbricht. Viele meiner Mit-Au Pairs verreisen mit ihren Gastfamilien oder haben frei, weil ihre Familien ins Ausland fliegen. 
 
Für mich heißen diese Ferien: Yippie. Wir fahren schon wieder in mein "geliebtes" Xuancheng zu den Großeltern. Von meinen Zwei Monaten in China habe ich dann also genau einen in Shenzhen und genau einen in Xuancheng (+Peking) verbracht. Es hat schon fast so ein bisschen Gefühl von (einer ungeliebten, aber doch irgendwie gewohnten) Heimat, von der man außer dem Innenraum des Hauses leider nicht all zu viel gesehen hat. 
 
Mir hat es schon davor gegraut, zum Chinesisch Neujahr noch einmal hier her zu müssen, aber dass wir jetzt über die Oktoberferien schon wieder hier sind und ich dadurch die Culture Class und das Karaoke singen mit den anderen Au Pairs verpasst habe, nervt mal wieder ziemlich. 
 
Die ersten 3 Tage hier waren extrem anstrengend, denn Judy ist, seit sie das mit Hongkong erfahren hat, einfach nur unerträglich und ich verbringe jeden Tag mindestens 8 Stunden (in meinem Vertrag stehen fünf :/ ) damit, sie zu bespielen. Dieses Kind kann sich aber auch keine fünf Minuten selbst beschäftigen, ohne Blödsinn zu machen.
Die Mama ist mit dem Großvater und der Suche nach einer neuen Nannie beschäftigt und daher immer unterwegs. 
 
Das Wetter hier ist übrigens echt herbstlich. Als wir aus Shenzhen hier hergekommen sind, war mir unwahrscheinlich kalt und mich mit Tshirt, Pulli, Jacke und zwei paar Socken in meine Decke eingemummelt und trotzdem noch gefroren. Draußen war es teilweise wärmer, als drinnen (woran das wohl liegen wird, wenn man im 21. Stock bei ziemlichen Wind alle Fenster und Türen dauerhaft auf hat) Mittlerweile ist es aber wieder wärmer geworden, oder ich habe mich einfach an die Temperaturen gewöhnt. Auf jeden Fall regnet es tagsüber die ganze Zeit und meine Gastfamilie geht ja eh nie raus, außer zum Essen. 
 
Zwischen dem pappsatt-machenden Frühstück, welches mittlerweile ziemlich abwechslungsreich ist und nicht mehr aus Porridge besteht, sondern aus Nudelsuppe, Omelette, Gebratenem Reis (wie dem beim Asiamann in Deutschland) oder süßen Reisbällchen mit schwarzer Sesamfüllung besteht, und dem Mittagessen, liegen meistens nur zwei Stunden. 
Das führt dazu, dass ich zum Mittag kaum etwas esse und dafür dann aber fast verhungere, bis es wieder Abendessen gibt. 
 
Was ansonsten noch ganz cool ist: Es gibt jeden Tag ein Stück Mondkuchen. Das sind super süße und klebrige kleine Kuchen, die mit Feige, Nuss, Beeren, süßem flüssigem Eigelb (lecker) oder gesalzenem Ei (igitt) gefüllt sind. Das Ei und die runde Form der Kuchen soll den Vollmond symbolisieren. 
 
Wenn man die Tatsache bedenkt, dass es in China sonst irgendwie nichts zu essen gibt, was eine anständige Menge an Zucker besitzt, (außer importierten Keksen) sind diese Küchlein echt lobenswert süß. Und außerdem ziemlich hübsch. Sucht mal im Internet nach 月饼 (yuebi) 
 
In den kommenden Tagen findet in China außerdem das Mondfest bzw. Mid Autumn Festival statt, was am 15. Tag des 8. Monats im Mondkalender gefeiert wird. Ich bin mal gespannt, ob noch irgendetwas interessantes passiert, außer dem üblichen Essen und, dass das Haus ständig von neuen Verwandten überbevölkert wird. 
 
Wie mein Alltag hier in der Provinz sonst so aussieht:
Gegen 8:30 stehe ich auf und mache mich fertig. Dann gibt es Frühstück. Vorgestern bin ich mit Derni in einer kleinen Nudelbude frühstücken gegangen, was eine 3/4 Stunde ohne Judy bedeutet hat und dadurch ziemlich himmlisch war. 
 
Nach dem Frühstück spielen Judy und ich dann 10 Minuten und dann geht es an die Hausaufgaben. Ich soll mit ihr mittlerweile nicht nur Englisch schreiben üben, sondern auch chinesisch. Das heißt, ich sitze zwei Stunden lang neben einem bockenden Kind, was mir dauerhaft erzählt, dass ich ein "Bad Guy" bin und sie mich schlagen möchte, ignoriere das ganze meistens und versuche nebenbei, ein paar Vokabeln zu lernen und erinnere sie alle paar Sekunden daran, ordentlicher zu schreiben/ gerade zu sitzen/ Wasser zu trinken oder radiere ihr Herumgeschmader in ihrem Heft wieder weg. Das ist zwar wahrscheinlich nicht die pädagogisch wertvollste Methode, aber wenn ich sie mehr oder weniger ignoriere, schreibt sie wenigstens, während sie vor sich hinschimpft und hört irgendwann auch wieder mit dem Gemeckere auf. Und ich komme dazu, öfter Hausaufgaben zu machen. 
Irgendwann haben wir (hoffentlich) auch eine Seite Chinesisch, eine halbe Seite Englisch und 5 mal Judys chinesischen Namen fertig geschrieben und es gibt schon wieder Mittag. 
 
Neulich hatte sie beim Mittagessen irgendwie einen totalen Koller (Nachdem ich ihr bei den Hausaufgaben schon ein Time-out angedroht habe ... Das "Ich zähle bis drei" Spielchen klappt also auch bei chinesischen Kindern ^^) und hat angefangen, mich grundlos zu schlagen und zu schubsen. 
 
Da hat ihre Mama dann die Strafe verhängt, dass sie eine halbe Stunde still in der Ecke stehen muss. Fand ich zwar ganz schön lang, für so ein kleines Kind, aber naja. Für mich hat es eine halbe Stunde mehr Pause bedeutet und glaubt mir: nach vier Tagen Provinz mit Judybespaßung von morgens bis Abends, bin ich über jede freie Sekunde dankbar. 
 
Am Nachmittag bringe ich Judy (nach Vollendung der morgens nicht zu Ende gebrachten Hausaufgaben) seit den letzten 2 Tagen immer ins Kinderzentrum in der Shopping Mall, wo wir eine Prinzessin gebastelt, ein Bild mit Windowcolor gemalt und anschließend auf dem Spielplatz im Bällebad "Meerjungfrau" gespielt haben. 
 
Nach dem Abendessen geht es immer zu Hause mit irgendwelchen komischen Rollenspielen weiter. Am Anfang habe ich mich ja echt gefreut, dass sie auch mal kreative Ideen hat und stundenlang mit kleinen Plüschfiguren spielen kann. Aber seit sie das mit Hongkong weiß, sind ihre Spiele einfach nur noch verstörend und extrem anstrengend.
 
Judys Figur hat immer Magie und kann fliegen, meine Figur ist nur eine normale Person. Die Figuren lernen sich immer kennen, stellen fest, dass sie Schwestern sind und beide in einem Schloss leben, gehen dann im Wald spazieren und fallen in eine Falle. Judys Figur befreit sich mittels Magie aus der Falle, meine kann das ja nicht, und bittet um Hilfe, die ihr stets verwehrt wird. Zu jedem Vorschlag den ich mache, wie man meiner Figur helfen kann wird mit "Nonononono" abgewehrt, irgendwann werde ich als "Bad Guy" bezeichnet, weil die Prinzessin nach Hilfe fragt und am Ende wird sie meistens von irgendwelchen Monstern gefangen gehalten, bis unsere Spielzeit vorbei ist. 
 
Und dieses Spiel wiederholt sich seit fast einer Woche für mehrere Stunden am Tag. Es ist so nervig. Und egal, wie ich versuche, den Verlauf des Spiels zu ändern oder Judy zu motivieren, etwas anderes zu spielen/ zu basteln/ zu malen, es läuft immer wieder auf's selbe hinaus. 
Und jedes mal falle ich danach komplett tot ins Bett. 
 
Seit wie in Xuancheng sind, hat sie den Gruselfaktor des Spieles noch getoppt. Jetzt will sie nämlich immer spielen, dass wir beide Monster oder Wölfe sind, die eine Babypuppe fangen, einen Kuchen backen, das jämmerlich weinende Baby darauf legen, zerschneiden und bei lebendigem Leib verspeisen und dann unsere Wolfshöhle mit den Knochen dekorieren. So langsam sollte sie begriffen haben, dass mir dieses Spiel nicht gefällt. Aber was hat dieses Kind denn bitte für gestörte Fantasien? Und wie um alles in der Welt soll ich das den Rest der Ferien, die noch bis zum 8. Oktober dauern aushalten? 
 
Nun ja, gestern haben wir es dann irgendwie geschafft, keines dieser Spiele zu spielen, sondern ganz viel zu zeichnen. Und ich habe ihr erklärt, was Norden, Süden, Osten und Westen ist, warum der Mond Löcher hat und dass es auf dem Mars Vulkane gibt. Das hat ziemlich Spaß gemacht. 
Am Abend ist dann zum Glück auch Xiaobao (diesmal samt Mutter) wieder hier angereist und die Kinder haben zusammen gespielt, wodurch ich mich mal entspannen konnte.
 
Ich habe dann mal ein bisschen versucht, mich zu integrieren und mich mit meinem Chinesischbuch zu allen anderen ins Wohnzimmer gesetzt. Hat zwar nicht wirklich viel gebracht, aber immerhin kann ich jetzt einen kompletten Text in chinesischen Schriftzeichen ohne Wörterbuch lesen :) Irgendwie scheint es so langsam klick zu machen. 
 
Außerdem haben wir gestern bei Pizzahut Abendbrot gegessen. Mal wieder eine "richtige" Pizza, Pommes und Ketchup > Sprich, Sachen mit westlichen Gewürzen zu essen war echt gut. Es gab sogar ein echtes Vanilleeis zum Nachtisch, das genau so geschmeckt hat, wie Eis schmecken soll: süß und nach Vanille. 
 
Heute war einfach nur entspannt. Ich habe 1 1/2 Stunden lang mit Judy das chinesische Schriftzeichen für 6 ( 六) und ihren chinesischen Namen 柏添瑞 (Bai Tian Rai) schreiben geübt, dann ist Xiaobao gekommen und bis nach dem Abendessen geblieben und ich hatte endlich mal die Zeit, an diesem Blogeintrag zu arbeiten. Generell habe ich den Tag sehr entspannt mit essen, chillen, lesen und hin und herpendeln zwischen meinem Zimmer und dem Wohnzimmer verbracht. 
 
 Judy wollte nichts von mir wissen und hat den ganzen Nachmittag vielleicht 10 Sätze mit mir geredet. Ich komme mir dadurch zwar sehr blöd vor, wenn ich hier mehr oder weniger nichtsnutzig in der Wohnung sitze (hätte ich das eher gewusst, hätte ich etwas cooles draußen unternommen), aber andererseits kann ich ja ruhig mal meine Überstunden abbauen ^^ Und da die anderen auch nicht großartig mit mir kommunizieren wollte und die Großmutter mich auf meine Nachfrage, ob ich ihr was helfen (oder wenigstens beim Kochen zuschauen darf) aus der Küche gescheucht hat, konnte ich mal einigermaßen in "Ruhe" "entspannen."
 
Warum die Anführungsstriche?: So etwas, wie Ruhe und Privatsphäre scheint in China kein all zu angesehenes Konzept zu sein. Judy hat mich nämlich neulich ganz bestürzt gefragt, warum ich die Tür von meinem Zimmer immer zu mache (wenn ich Mittagsschlaf mache oder gerade einfach ein paar Minuten frei habe und froh bin, ihr Gekreische mal nicht in voller Lautstärke abzubekommen) Meine Gastmutter hat das auch nicht so ganz verstanden und mich erst mal Judy ausführlich erklären lassen, warum ich es gewohnt bin, Türen hinter mir zu schließen. 
 
Dass man in Deutschland seine Räume einfach heizt und nicht will, dass die ganze Wärme flöten geht und ich mich außerdem unwohl fühle, zu schlafen, wenn dauerhaft Leute an meinem Zimmer vorbeilaufen und Krach machen, hat irgendwie nicht so wirklich in ihr Weltbild gepasst. 
 
Aber in China sind ja eh immer alle Türen und Fenster offen, egal, wie kalt oder warm es ist. Also sitze ich jetzt hier mit offener Tür auf meinem Bett und tippe auf meinem Handy herum, während Judy und Xiaobao im Wohnzimmer spielen, die Großtante tief und fest daneben auf dem Sofa schläft, ihr Mann Fernsehen schaut und Derni, Xiaobaos Mutter und Tingting in der Küche herumwuseln (die Haushälterin hat ja auch Feiertage). Alan hat sich verkrümelt, die Oma kommt ab und zu mal in mein Zimmer, stellt irgendwelches Zeug herein und nimmt es dann doch wieder heraus und der Opa wandert ziellos durch die Gegend, kommt ab und zu in mein Zimmer, steht eine Weile in der Tür/ setzt sich auf den Hocker, hinterlässt mir ein paar angeknabberte Pistazienschalen auf dem Bett und geht dann wieder. Willkommen in meinem chinesischen Leben. ^^
 
Ansonsten ist das Mondfest bis jetzt ähnlich, wie Weihnachten in Deutschland. Ein bisschen gemütlich, ein bisschen langweilig, viele Leute im Haus, alle chillen irgendwie herum und es wird viel gegessen. 
 
Natürlich ist das ganze viel weniger heimelig, als Weihnachten in der Heimat. Und auch, wenn total viele Leute im Haus zusammenkommen, fehlt ein bisschen dieses Familiengefühl, wir man es bei uns zu Hause hat. 
Die Kinder spielen miteinander, mehrere Leute sitzen auf dem Sofa und tippen auf ihrem Handy rum, Alan verkriecht sich in irgendeine dunkle Ecke im Schlafzimmer und zockt auf seinem Handy und der Rest der Anwesenden wuselt irgendwie durch die Gegend. Beim Essen sitzen auch nie alle gleichzeitig am Tisch (was bei einem normal großen Küchentisch in einem recht kleinen Essbereich und 11 Personen im Haushalt auch recht schwer zu bewerkstelligen ist) und wer fertig mit Essen ist, verschwindet einfach. Ich bin irgendwie die einzige, die sitzen bleibt, bis alle aufgegessen haben und mithilft, den Tisch abzuräumen. 
Trotzdem hat das ganze irgendwie Flair und ich bin froh darüber, auch mal den ganz normalen Feiertagsrhythmus einer chinesischen Großfamilie kennenzulernen. 
 
Ansonsten ist hier alles recht alltäglich. Ich esse jeden Tag zwei Schüsseln Reis mit Gemüse. Schlürfe mein Seetang-Öl-Wasser (Ähm, Entschuldigung, ich meine natürlich Suppe). Trinke mehrere Liter warmes (natürlich abgekochtes, nicht, dass ihr euch jetzt um meine Gesundheit sorgt) Leitungswasser am Tag. Dusche jeden Abend mit tröpfelndem lauwarmen Wasser, wobei das ganze Bad geflutet wird, da es keine extra Duschkabine gibt. Kann mit Stäbchen vermutlich mittlerweile besser umgehen, als mit Messer und Gabel. Trage Gummibadelatschen als Hausschuhe. Fahre mindestens zwei mal am Tag mit dem Aufzug in den 21. Stock. Mache Mittagsschlaf auf einem harten, aber trotzdem gemütlichen Bettsofa mit Reiskopfkissen und zu kleiner Bettdecke. Gehe jeden Abend viel zu spät schlafen. Ekle mich nicht vor Hühnerfüßen in der Suppe. Wasche meine Handwäsche in einer Schüssel. Frage mittlerweile schon gar nicht mehr, was der Plan für den Tag ist, denn es gibt eh keinen und wenn, wird er noch fünf mal geändert. Ziehe blitzschnell Schuhe und Jacke an, wenn wir mal wieder plötzlich das Haus verlassen und ich keine Ahnung habe, wohin es geht. Habe immer eine Flasche Wasser, einen Regenschirm und Taschentücher dabei. Nutze Bing.cn als Suchmaschine und rege mich nicht mehr all zu sehr über blockierte Internetseiten auf (das mit Whatsapp kotzt mich trotzdem an.) Spreche fast den ganzen Tag Englisch. Kann die Unterschiede zwischen "ma, má, mà, mā und mâ" aussprechen. Verstehe mittlerweile auch ein bisschen der Konversationen, wenn man am Esstisch über mich redet. Und kann eine kleine Konversation auf Chinesisch führen.  
 
Auf jeden Fall gewöhnt man sich hier sehr schnell an alle möglichen Dinge. Das ist mir letztens beim Skypen mit Mama erst mal so richtig aufgefallen, als sie mich gefragt hat, was ich den ganzen Tag, insbesondere zum Frühstück so trinke und ich total selbstverständlich mit "Na warmes Wasser" geantwortet habe. Scheinbar habe ich mich jetzt wirklich halbewegs eingelebt und es nicht mal so wirklich bemerkt. 
 
Ich würde sagen, das ist doch ein ganz gutes Resümee, nach fast zwei Monaten in diesem unglaublich verrückten Land. 
 
China ist einfach anders. Meistens ist es komisch. Manchmal verflucht man es. Häufig ist man komplett verwirrt und versucht gar nicht erst, es zu verstehen. Oft ist es interessant, stets vielseitig und immer extrem lehrreich, häufig aber auch stressig, anstrengend und einem den letzten Nerv raubend. 
Manchmal will man alle diese verplanten, verwirrenden Leute am liebsten auf den Mond schießen. 
 
Aber meistens ist China dann doch einfach irgendwie normal und auch diese ganzen komischen Menschen hat man irgendwo lieb gewonnen. Und hey, was soll ich sagen... ich mag dieses komische Land eigentlich ganz gern. 
 
Ich wöllte jetzt definitiv noch nicht wieder nach Hause, da ich gerade erst anfange, mich an all diese Dinge zu gewöhnen und mich einzuleben. Das hat mir die Entscheidung über den Umzug nach Hongkong noch ein mal ziemlich klar vor Augen geführt. 
 
Auch, wenn ich natürlich einiges an Deutschland vermisse (all die lieben Menschen, Schwarzbrot mit Butter und Salz, Essen mit Zucker darin, zuverlässige Pläne, anständige Pizza, ordentlichen Kuchen und Kekse, Ruhe, Tanzen, die Möglichkeit, Sterne zu sehen,...) 
 
Aber es lässt sich hier auch so ganz gut aushalten und ich habe bisher noch kein bisschen Heimweh, also keine Sorge. Ihr müsst jetzt kein Care-Paket einfliegen lassen oder so 😅
 
Also seid gegrüßt, ihr daheimgebliebenen Langnasen. Fühlt euch gedrückt und lasst mal von euch hören. 
 
Abschließende Worte: 
"China ist schon irgendwie komisch. Oder besser gesagt: qíyì pòbài" 
 
Hier noch einige Fotos vom Alltag in der Provinz. Wer so viel Text liest, muss ja auch mit ein paar Bildern belohnt werden.
 
    Nudelsuppe zum Frühstück  Diesen Berg bin ich übrigens das letzte Mal hoch und entlanggewandert. Von dem kleinen Kasten (Tempel) zum Sendemast
23Sept
2017

"Why is everything going wrong here?" - Eine schwierige Entscheidung

Hallo, ich lebe noch. 
Meinem Plan, die ganzen Einträge von nach Peking noch zu aktualisieren, werde ich wohl vorerst über den Haufen werfen müssen, denn es ist momentan einfach alles zu turbulent. 
Bis vor kurzem lief alles hier echt gut, ich habe mich in Shenzhen sehr wohl gefühlt, angefangen, mich einzuleben und mehr mit den anderen Au Pairs zu machen, mich zwei mal mit Nelly (meiner Schulfreundin aus Deutschland, die ebenfalls ein Au Pair Jahr in Shenzhen macht) getroffen, die Stadt auf eigene Faust erkundet, mir ein bisschen mehr Freiraum erkämpft und Judy Dinge beigebracht, wie "Bitte" zu sagen und nicht mit vollem Mund zu sprechen, sie spontan alleine vom Kindergarten abgeholt (das wäre eigentlich auch noch mal einen extra Eintrag wert) und ziemlich viel alleine auf sie aufgepasst. Und bin sogar für den Chinesischunterricht in eine neue Klasse mit höherem Schwierigkeitsgrad gekommen :D
 
Im Großen und ganzen war alles schick, bis zu diesem einen Abend, der mein ganzes bisher langsam und mühevoll aufgebautes Leben ins Wanken gebracht hat ...
 
Am Freitag noch rede ich mit den anderen Au Pairs darüber, warum gerade bei allen alles schief zu laufen scheint (in den 1 1/2 Monaten, die ich hier bin haben schon drei Leute abgebrochen. ) Und bin wirklich dankbar darüber, so eine tolle Gastfamilie zu haben. Freitag Abend will meine Gastmama dann plötzlich mit mir reden und parkt Judy vorm Fernseher (das macht sie sonst nie) 
 
Sie erzählt mir, dass Judy im Kindergarten in Hongkong angenommen wurde und die Familie deshalb in zwei Wochen nach Hongkong zieht. Hongkong, das nicht wirklich China ist, in dem man eine andere Sprache spricht, eine andere Kultur hat und meine Gastfamilie zwar irgendwo am Meer, dafür aber am Arsch der Welt wohnen wird. Natürlich falle ich aus allen Wolken und weiß überhaupt nicht, was ich machen soll und habe erst mal einen fetten Kloß im Hals. 
 
Ich muss mich also jetzt ganz allein entscheiden: Entweder ich ziehe mit nach Hongkong, wo ich weder Sprachunterricht (außer 2 mal die Woche per Videoanruf) noch Culture classes noch Kontakt zu anderen Au Pairs haben und wahrscheinlich wahnsinnig einsam sein werde. Und wegen der unterschiedlichen Visapolitik (Hongkong ist ein autonomes Gebiet mit anderen Gesetzen und Kantonesisch und Englisch als Amtssprachen, da es eine ehemalige Britische Kolonie ist) Also wieder raus aus der Stadt, in der ich mich gerade halbwegs eingelebt habe, noch so viele Orte entdecken will und gerade anfange, öfter etwas mit Leuten zu unternehmen. 
 
Oder ich bleibe in Shenzhen und wechsle die Gastfamilie, was mir mindestens genau so das Herz brechen würde, weil ich sie ja schon alle echt lieb gewonnen habe. Und bei einem Familienwechsel die Hälfte meiner Urlaubstage verloren geht und ich wahrscheinlich nie mehr eine Gastfamilie finde, mit der ich so gut reden kann. 
 
Nunja, es gibt noch tausend andere Gründe, weshalb mir diese Entscheidung wahnsinnig schwerfällt und so viele Dinge zu bedenken, die über meine Kenntnisse hinausgehen (Visapolitik, Einhaltung meines Vertrages, was passiert mit meinen Urlaubstagen,...) Das ganze will ich jetzt hier aber auch nicht zu sehr ausweiten, da sich meine Meinung dazu sowieso stündlich ändert und eh noch nichts entschieden werden kann. Die die meisten Leute wissen jetzt sowieso genügend darüber und wer mehr wissen möchte, kann gerne mit mir telefonieren.  
 
Auf jeden Fall ist es eine Lose-Lose Situation und ich bin komplett fertig mit den Nerven. 
 
Deshalb nutze ich jede freie Minute, um nach Hause zu skypen und meine Verzweiflung irgendwo abzuladen. Leute, ich bin euch allen wahnsinnig dankbar, dass ihr im Notfall immer sofort Zeit für mich findet, mich aufbaut und mir zuhört. Manchmal hilft es einfach nur, darüber zu reden, um mit der Situation besser klarzukommen. Und irgendwie habt ihr ja alle Recht: solche Schwierigkeiten und Entscheidungen gehören wohl einfach zum Erwachsenwerden dazu und machen mich einfach nur reifer und stärker. Ich habe nie damit gerechnet, dass dieses Jahr einfach wird (auch, wenn ich eher mit einem Kulturschock und verwöhnten Kindern gerechnet hätte, als mit dieser Situation.) Also sollte ich es als als Chance sehen. 
Nach einigen langen Skype Konversationen nach Hause, intensiver Gedanken-Ordne-Arbeit (die auch bloß nichts gebracht hat, außer dass ich noch verwirrter bin) einem kurzen, aber klärenden Gespräch mit Tess geht es mir jetzt wieder einigermaßen okay und es gibt zumindest eine Art Plan: Montag und Dienstag habe ich Interviews mit zwei anderen Gastfamilien, dann fliege ich über die Feiertage mit meiner Familie zurück zu den Großeltern und kann danach noch zwei Wochen in Shenzhen bleiben, während Judy unter der Woche noch im Kindergarten ist und habe genug Zeit, mich zu entscheiden. Trotzdem blöd, aber immerhin ein Plan...
Den Rest des Wochenendes bin ich ansonsten mit Judy dauerbeschäftigt und wir gehen Samstag und Sonntag bis spät abends in irgendwelchen total krassen Restaurants essen. (Kokosnuss-Hotpot mit ganz viel leckerem Gemüse und Tausendjährigen Eiern und Oh-Mein-Gott: eine riesige, kalte Trinkkokosnuss ganz für mich allein. Ich liiiiiiieeeeebe Kokoswasser) Wo Judy feierlich verkündet wird, dass sie ab übernächster Woche in Hongkong zur Schule gehen darf und da noch viel mehr lernen und Hausaufgaben machen muss. 
 
Schlauerweise erzählt die Mama ihr eines Abends beim Eisessen auf dem Spielplatz, dass ich wahrscheinlich nicht mit nach Hongkong komme (ähm, hallo, das ist noch gar nicht festgelegt) und seitdem scheint Judy mich zu hassen, will nicht mehr mit mir spielen und ich darf ihre Malstifte nicht mehr anfassen, schlägt öfter mal einfach um sich und erzählt mir beim Essen etwas à la "Nein, das Ei bekommst du nicht, das ist mein Haus und meine Familie und du kannst hier nicht einfach Eier zum Abendbrot essen" (Normalerweise schmeißt sie mir immer Wachteleier oder anderes Essen in meine Reisschüssel und teilt alles mit mir) 
Danke, liebe Gastmama. Damit machst du mir die kommende Woche auf dem Dorf (wo Judy sowieso schon immer schwierig ist) ja unglaublich viel leichter. Toll gemacht. 
 
 
Update: Zu der Gastfamilie von Montag kann ich noch nicht viel sagen. Die Gastmutter schien nett und die Kinder und meine Aufgaben dort klangen auch total in Ordnung. Ich werde nach den Ferien einen Tag dort Probearbeiten gehen und schauen, ob es passt. 
 
Die Familie von Dienstag war komplett komisch. Wir kamen dort an und es war nur die Mutter da, die nicht so wirklich mit mir reden wollte und auf meine ganzen Fragen immer nur mir total kurzen Informationen geantwortet hat. "Beschreibe doch mal bitte die Charaktere der einzelnen Familienmitglieder und ihre Hobbies" "Wir sind alle sehr offen und kommunikativ. Punkt." Ah ja, das sehe ich. Nach 10 Minuten "Gesprächs" nach dem ich genau so schlau bin, wie vorher, kommt dann auch das Kind nach Hause. Ein kleiner Junge mit ...Igitt... total verfaulten Zähnen. Ansonsten ist er aber ziemlich süß und lieb und möchte direkt etwas mit mir malen. Darin habe ich ja jetzt Übung (dass es heute mal einen Dinosaurier gibt, statt der üblichen Disney-Prinzessinnen, sollte klar sein ^^) 
Nach drei Minuten zeichnen kommt plötzlich die Mutter mit einem Ipad, drückt es dem Kind in die Hand und sagt: So, du musst jetzt Hausaufgaben machen. Also sitzt er da mit einer Englisch lern App, bei der er vorgesprochene Sätze ins Mikrofon nachsprechen muss. Da kann ich ja super mit ihm interagieren :/ Nachdem das ganze dann geschafft ist, widmen wir uns wieder dem zeichnen, bis plötzlich nach wenigen Minuten meine Betreuerin sagt: komm, wir gehen jetzt. Ich bin verwirrt. Die Familie verabschiedet uns und drückt mir noch zwei riesige Packungen Mondkuchen in die Hand. Insgesamt waren wie also statt der geplanten Stunde ganze zwanzig Minuten in der Familie. Sonderbar. 
 
Draußen erzählt mir Tess dann, dass die Mutter mich abgelehnt hat. Begründung: ich sei nicht "kommunikativ" genug (Ja wie auch, wenn sie nicht mit mir redet und dem Kind ein Ipad in die Hand drückt.) Sie wollte wohl ein Au Pair, was ihren Jungen weniger zurückhaltend und ein bisschen mehr "wild" und ungestüm macht. Scheinbar hätte ich ihm das Malpapier und das Ipad wegnehmen und mit ihm im Wohnzimmer Fußball spielen sollen oder so. Naja, was auch immer. Die waren eh sehr eigenartig, also kein all zu großer Verlust. Und hey, gegen gratis Mooncake habe ich sicher nichts einzuwenden ^^
21Sept
2017

Chinesen und ihre inexistente Planung

Also manchmal weiß man echt nicht, was man so von China halten soll. Meistens finde ich es hier schön, aber manchmal regt es mich einfach nur auf, dass Leute sich hier ungern an Absprachen halten. Heute habe ich ja, wie jeden Dienstag, keine Schule und wollte eigentlich irgedetwas cooles unternehmen. Die anderen Au Pairs scheinen nicht wirklich so viel machen zu wollen und um in den Park zu gehen ist es einfach viel zu warm. Also habe ich mir vorgenommen, heute Morgen im Pool unserer Community schwimmen zu gehen. Dummerweise wollte Li-Ayi, die nach vier Monaten, die sie hier lebt noch immer keinen Schlüssel hat und man deshalb immer auf sie warten und ihr die Tür aufschließen muss, aber Gemüse kaufen gehen und meine Gastmama ist nach wie vor im Fitnessstudio (Sie wollte vor einer 3/4 Stunde wieder zu Hause sein.)

Da ich gestern mein Glas heruntergeschmissen habe und es in diesem Haushalt irgendwie nur ein Glas, eine Schüssel und zwei Paar Stäbchen pro Person zu geben scheint, musste ich mir aber ein neues Wasserglas kaufen. Eigentlich kein Problem, wie mir auch meine Gastmama versichert hat, denn Li-Ayi braucht immer ca. zwei Stunden zum einkaufen und in der Zeit bin ich locker 10-mal zum Supermarkt und zurück gelaufen. Also komme ich gerade wieder nach Hause und wen treffe ich an der Haustür? Eine Ayi, die mich mit einem Blick der töten könnte ansieht und mich mehr oder weniger anschreit, warum ich nicht zu Hause war. Wenn man so wenig chinesisch kann, dass man nichts zu seiner Verteidigung sagen kann und sich daher einfach tausend Mal entschuldigt, ist das echt ein ziemlich blödes Gefühl.

Zusammen mit der wundervollen Tatsache, dass mir am Samstagabend eröffnet wurde, dass wir über die Herbstferien (Moon-Festival) wieder zu den Großeltern nach Xuancheng fahren, regt mich China gerade dezent auf. Ich will echt nicht wieder in dieses Kaff zurück, wo ich meiner gesamten Freiheit und Freizeit beraubt werde, nicht alleine rausgehen darf und den gesamten Tag mit Judy verbringe. Es gefällt mir gerade so gut in Shenzhen und jetzt werde ich schon wieder rausgerissen und in meinem Einlebe-Prozess zurückgeworfen L Naja, mal sehen, vielleicht gehe ich ja heute Nachmittag noch mal eine Runde schwimmen, das hilft hoffentlich ein bisschen beim Frust abbauen. 

Update: Derni ist jetzt auch wieder da, Li-Ayi scheint immer noch sauer auf mich zu sein, jedenfalls redet sie gerade mit ihr, klingt ziemlich angepisst und mein Name kommt auch darin vor.

Update

Nunja, China ist eben das Land der Gegensätze und genau so schnell kann meine Stimmung von „Warum genau mache ich das hier eigentlich gerade“ zu „Es ist schon eine ziemlich coole Erfahrung, bei der man ganz viel lernt“ umschlagen. Meine Gasmutter ist echt so cool drauf. Ich bin immer wieder froh, dass ihr Englisch echt super ist und sie mir so gerne ganz viel erzählt.

Wir haben gerade nach dem Mittag bestimmt noch eine Dreiviertelstunde miteinander über die Bildungssysteme in Deutschland und China geredet und versucht, herauszufinden, warum sie sich so stark unterscheiden. Zum Beispiel kann man in China sein „Gaokao“ (Abi) so oft wiederholen, wie man möchte, um die besten Ergebnisse zu erzielen, damit man an der nächsthöheren Uni angenommen wird. Daraus resultiert dann, dass manche Leute so oft wiederholen, dass ihre ehemaligen Klassenkameraden die Uni schon beendet haben und als Lehrer an ihre Schule zurückkommen ^^ Das stelle ich mir ziemlich verwirrend vor. Stell dir vor, du unterrichtest jemanden, mit dem du 7 Jahre zuvor noch selbst die Schulbank gedrückt hast…

Noch ein Update

Am Sonntag Abend wurde mir eröffnet, dass ich Judy am Montag alleine vom Kindergarten abholen soll, da die Mama spontan nach Hongkong muss. Super, ich war bisher zwei mal dort, erinnere mich kaum an den Weg und habe bisher immer draußen vor der Tür gewartet. Ich habe also keine Ahnung, wo ich hin muss. Anschließend soll ich sie noch zum Schachunterricht bringen (von dem ich ebenfalls keine Ahnung habe, wo er ist und einfach einer befreundeten Mutter folgen soll) und sie dann irgendwie mit dem Taxi heim bringen soll.

Deshalb muss ich Montag ziemlich früh aufstehen, um mit der Mama zusammen die kleine zum Kiga zu bringen, selber zu meiner Sprachschule zu gehen und mir noch irgendwo etwas zum Frühstück besorgen muss. Am Ende sitze ich mit meinem leckeren mit irgendetwas süßem gefüllten Baozi vor der Schule, habe noch 45 Minuten Zeit, bis der Unterricht beginnt und kann in Ruhe beobachten, wie die Laternen für das bald kommende Mondfest aufgehängt werden.

Montag Nachmittag ruft mich zum Glück Derni an, dass sie Judy selber zum Schach bringt und ich sie nur so lange zu Hause beaufsichtigen soll, bis sie wiederkommt.  Das klappt auch fast ohne Probleme, außer dass Judy rum bockt, weil sie mit ihrer Freundin auf den Spielplatz gehen will, mich die ganze Zeit als „Bad Guy“ beschimpft und zu Hause nicht mehr mit mir reden will. Aber das Spiel kennen wir ja schon, daher auch nicht sonderlich tragisch.

Der Kindergarten sieht übrigens sehr freundlich aus, hat sogar einen Sandkasten und einen großen Spielplatz und die Innenräume sind sogar noch ein bisschen freundlicher, als die in Frankreich. Es gibt verschiedene Themenecken, ganz viel Bastelzeug und einige Spielzeuge und es sieht ein bisschen so aus, wie in einem typischen Hortzimmer in Deutschland. Bevor man die Kinder abholen kann, darf man erst mal eine halbe Stunde in der prallen Sonne schlange stehen, bevor man (Mit Chipkarte) in den Kindergarten hereingelassen wird, wo dann die Kinder an der Tür ihres Klassenzimmers warten, bis der Lehrer sie einzeln aufruft, zu ihren (Groß-) Eltern/ Au Pairs zu gehen.

Auch die restlichen Tage muss ich sie immer vom Kindergarten abholen, weil die Mutter immer irgendwas zu tun hat. Das ist aber eigentlich immer eine ganz sinnvolle Aufgabe und mal nicht so anstrengend und ich freue mich, auch mal solche normalen „Große Schwester Aufgaben“ zu machen und nicht immer nur der Englischlehrer bin.

Was mich aber ziemlich aufregt ist, dass mir Donnerstag einfach mal mein freier Tag gestrichen wurde, da die Mama mal wieder nach Hongkong muss. Ich  frag mich echt, was sie da die ganze Zeit macht. Zumindest kann ich mir den freien Tag ja ansparen und habe dann am Ende des Jahres ganz viel Urlaub, um herumzureisen : )

17Sept
2017

Ein Wochenende in China

Freitag

So langsam kann ich über die einzelnen Wochentage nicht mehr so viel berichten, weil es alles relativ normal abläuft. Ich stehe auf, fahre mit der Metro zur HQ-Agency und habe Sprachunterricht mit den anderen Au-Pairs. Mittlerweile sind wir sogar richtig viele und es kommen immer mehr neue Leute dazu : ) Aber dazu später mehr…

Als ich Mittags nach Hause komme, ist Derni mal wieder mit Freunden unterwegs und ich esse mit Li-Ayi, mache ein bisschen Mittagsschlaf und dann Hausaufgaben. Da Derni Judy direkt auf dem Rückweg vom Kindergarten mitbringt und die beiden erst um 5 nach Hause kommen, habe ich sogar ein bisschen mehr Freizeit, als erwartet.

Nachmittags spielen wir dann eine Weile Judys neues Lieblingsspiel: Eine Höhle aus Kissen und Büchern bauen, darin einen Schatz verstecken, ganz viel „Magic“ an der Höhle anbringen, damit die böse Hexe den Schatz nicht klauen kann und alle 2 Minuten durch das Fenster schauen, ob der Schatz noch da ist. Irgendwann verschwindet der Schatz dann natürlich doch und wir müssen Kuchen essen, der uns unsichtbar macht, und uns dann in das Haus der Hexe schleichen, um den Schatz zurückzubekommen. Das ist eigentlich immer ein ganz niedliches Spiel und wir spielen es seit einer Woche so ziemlich jeden Tag eine halbe Stunde lang, wenn sie aus dem Kindergarten kommt. Es ist auf jeden Fall wesentlich besser, als das „Ich verstecke einen winzigen Gegenstand irgendwo im Chaos des Wohnzimmers und du musst ihn finden“ Spiel, was vorher immer sehr aktuell war.

Anschließend üben wir Phonics-Karten. Das sind Karten, mit 5 Wörtern darauf, die alle etwas gemeinsam haben, z.B ein O in der Mitte oder ein I in der Mitte und ein E am Ende. Die soll sie laut vorlesen und damit die Betonung der Wörter einprägen und nebenbei ihr Vokabular erweitern. Außerdem üben wir immer schreiben mit einem komplett bescheuerten Arbeitsheft, in dem Buchstaben und Wörter vorgeschrieben sind und man diese mit halbdurchsichtigem Papier abpauschen muss. Das Papier ist jedoch mega dünn, zerknittert ständig und bewegt sich, so dass die ganze Schrift verrutscht. Derni kennt da aber keine Gnade und wenn ein Buchstabe nicht exakt so aussieht, wie der vorgedruckte untendrunter, muss ich das ganze Wort wegradieren und Judy darf es noch mal schreiben. Heute hat sie es aber auch nicht besonders leicht und erzählt mir pausenlos, dass sie nicht mehr mit mir spielen will, mich schlagen will und irgendwas von wegen „I don’t mind you anymore, you are a bad guy, a bad black mouse and a witch.“ Das ist momentan sowieso einer ihrer Lieblingssätze.

Dadurch, dass sie aber trotzdem nebenbei weiter schreibt und das ganze währenddessen permanent vor sich hinplappert, ist mir das herzlich egal und es gibt ein ziemlich lustiges Bild ab, wie sie da schreibend da sitzt und mich total trocken „beschimpft“, ohne eine Miene zu verziehen. Irgendwann haben wir es dann aber tatsächlich geschafft, die Seite fertigzuschreiben und können nach dem Essen noch eine Weile mit Seifenblasen spielen.

Abends entsteht dann so eine Situation, in der ich mich total fehl am Platz fühle. Der Vater scheint sowieso die ganze Zeit schon etwas angepisst, dass Judy so viel lernen muss und die Mutter so streng mit ihr ist. Er will dann nach dem Essen noch eine Runde mit ihr im Garten rumlaufen und auf den Spielplatz gehen.

Derni ist der Meinung, ich soll mitkommen und diskutiert ewig lang mit dem Vater rum, dass jede Minute, die sie mit mir englisch sprechen kann, wichtig für Judy ist. Die fängt an zu quengeln, weil sie möchte, dass ich mit ihr auf den Spielplatz gehe und der Vater ist genervt, weil er Zeit alleine mit seiner Tochter verbringen will, die er immerhin nur am Wochenende sehen kann. Irgendwie habe ich sowieso manchmal den Eindruck, dass diese Entscheidung, sich ein Au Pair zu holen nicht wirklich der Wunsch von beiden Eltern, sondern nur von der Mutter war. Jeffrey ist zwar immer nett zu mir, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass er mich eher als störenden Fremdkörper betrachtet und nicht so begeistert von meiner ständigen Anwesenheit ist. Jedenfalls fühle ich mich immer ein bisschen unbeholfen, wenn er da ist, weil ich dann nie weiß, ob ich jetzt arbeiten, oder Judy bei ihm lassen soll.

Zum Glück kann sich Jeffrey aber durchsetzen, alleine mit Judy rauszugehen und ich darf duschen gehen. Trotzdem weiß ich als sie wiederkommen noch nicht so richtig, ob ich nur Pause, oder Feierabend habe, und stelle mich einfach mal ganz unauffällig mit meinem Wasserglas ins Wohnzimmer, bis ich mehr oder weniger in mein Zimmer geschickt werde. Das war ja mal ein entspannter Arbeitstag.

Samstag

Der Samstag ist dann nicht viel weniger entspannt. Zumindest für mich, nicht für Judy. Die darf nach dem Frühstück und fünf Minuten mit mir spielen nämlich direkt zur Musikschule.

Da Li-Ayi Gemüse kaufen ist und ich sie nicht aussperren will, kann ich zwar nicht allzu viel machen, aber ein relaxter Vormittag zu Hause ist auch mal schön.

Aber dieses Kind tut mir einfach nur wahnsinnig leid. Als sie mittags aus der Musikschule wiederkommt, darf sie dann auch direkt dafür Hausaufgaben machen. Wir haben ein Buch mit mehreren Notenbildern von Melodien, wie „Hänschenklein“, „Ode an die Freude“, einem chinesischen Lied und noch irgendwelche Melodieführungsbeispiele. Die soll Judy anhand des Notenbildes flüssig aus dem Kopf singen, natürlich dabei die Taktart und die Länge der Noten beachten und statt des Textes immer die Notennamen vorsingen. Da entsteht dann statt „Hänschenklein ging allein“ eben „So Mi Mi, Fa Re Re“. So kann man Kindern auch den Spaß am Singen verderben.

Und ich darf mit ihr üben. Ganz toll. Meine Gastfamilie kann sich echt glücklich schätzen, dass ich mich mit Notenbildern einigermaßen auskenne und einigermaßen weiß, wie lange man eine punktierte halbe Note halten muss. Die Noten im Bassschlüssel muss ich mir aber trotzdem vorher aufschreiben, die kann ich nicht mal eben einfach so vom Papier singen, zumal wir ja kein Klavier haben, mit dem man den Ton mal eben anspielen könnte und ich mich außerdem vom CDEFGAHC – System  auf DoReMiFaSoLaTiDo umgewöhnen muss. Trotzdem krass, was hier von so kleinen Kindern schon verlangt wird. Wenn man ein Instrument spielen lernt, ist es ja sinnvoll und wichtig, auch die Noten lesen zu können. Aber da kann man es mit etwas praktischem verknüpfen und weiß, weshalb man das ganze macht. Aber mit fünf Jahren Notennamen und Musiktheorie beherrschen, ohne es irgendwo anzuwenden und nur die sture Theorie zu pauken ist ein Konzept, was mir noch nicht so ganz in den Kopf geht.

Naja, jedenfalls hat Judy überhaupt keinen Bock darauf und kann sich auch nur mäßig dafür begeistern, als ich dann Hänschenklein und die Ode an die Freude mal mit deutschem Text singe. Nach einer Stunde üben gibt es dann zum Glück auch Mittagessen und ich denke, das Thema Musiklehre heben wir heute abgeschlossen. Weit gefehlt.

Als meine Gastfamilie dann um fünf auch mal wieder von ihrem Mittagsschlaf aufwacht (Jay, so viel Pause hatte ich am Wochenende bisher nie) dürfen wir noch weitere Lieder aus dem Heft behandeln und dann noch Matheübungen machen. Judy hat natürlich gar keine Lust mehr, erzählt mir wieder die ganze Zeit, wie böse ich doch bin. Aber zumindest habe ich sie relativ im Griff und sie macht meistens, was ich ihr sage. Aber ich bin auch sehr geduldig mit ihr.

Dann kommt die Mama und erklärt Judy auf Chinesisch, wie man den Radiergummi richtig zu halten hat, schimpft die ganze Zeit total laut mit ihr, und verpasst ihr ein paar auf die Finger, als sie anfängt, in das Übungsheft zu kritzeln. Nachdem wir also noch eine Stunde Mathe und Musik geübt haben, habe ich dann bis zum Abendessen eine weitere Stunde frei, in der Judy mit der Mama chinesisch schreiben üben muss und ständig anfängt, zu weinen.

Dieses arme Kind tut mir gerade einfach nur so leid. Und da ist meine Gastfamilie noch relativ locker drauf und versucht, ihr so viel Zeit zum spielen wie möglich einzurichten. Aber den Kindern wird hier schon bevor sie in die Grundschule kommen, die Freude am Lernen verdorben, weil sie immer nur stupide am Tisch sitzen und Hausaufgaben machen müssen, statt  mit Spiel und Spaß zu lernen. Das schlimmste ist eigentlich, dass ich es nicht ändern kann. Ich versuche schon immer, so viel Spiel, Motivation und Interesse wie möglich in das gemeinsame Lernen einzubringen, aber bei den Aufgaben, die wir machen müssen, ist das echt schwer. Und bei 6 After school classes pro Woche bleibt  einfach nicht genug Zeit…  „So ist die Gesellschaft nun mal, kann man nix machen.“ - ist in China Standardspruch, wenn es um den großen Druck geht, der auf den Kindern hier lastet. Das ist hier eben wirklich die traurige Realität :/

Sonntag

Dafür haben wir am Sonntag umso mehr Zeit zum spielen. Erst mal schlafen aber zum Glück alle bis halb 10 und ich bin scheinbar als erste, die wach ist (wenn man mal von Li-Ayi absieht die um 6, als ich die Party machenden Schildkröten aus meinem Zimmer schmeiße, schon in der Küche rumwuselt.)

Nach dem Frühstück spielen wir dann ein paar Minuten und machen dann wieder Musikschul- und Schreibübungs- Hausaufgaben. Und es läuft erstaunlich gut. Judy singt alle Lieder ohne Probleme und schreibt total ordentlich. Sie kann es also doch, wenn sie will. Scheinbar hat der Anschiss gestern einen Schalter bei ihr umgelegt.

Für so viel Fleiß und gute Laune beim lernen, bekommt sie dann auch einen kleinen, lachenden Hasen und drei Blümchen in ihr Schreibheft gezeichnet ; ) Und wir haben sogar noch Zeit, vor dem Mittag unser Schatz-in-der-Höhle-verstecken-Spiel zu spielen.

Nach dem Mittagsschlaf und noch einer Runde Lesen und spielen, fahren wir dann ins OCT (richtig, da wo ich letztens mit Nelly war). Dort entdecken wir auch den Strand, der tatsächlich ganz in der Nähe gewesen wäre. Da wir eigentlich mit Judy auf einen Wasserspielplatz dort gehen wollten, aber schlauerweise keiner Badesachen mitgenommen hat, kann ich das ganze aber leider nicht von nahem begutachten. Stattdessen gehen wir auf einen total coolen Spielplatz, wo die Erwachsenen auch mal mit rein dürfen und nicht bloß am Rand warten. Das beste an dem Spielplatz: Er ist draußen, das Wetter ist super, es ist relativ leise, es gibt keine Fernseher und anderes komisches Elektonikgedöns, die Kinder können klettern und vor allem: es gibt Ventilatoren, die Wasser sprühen. Also klettert Judy da eine Weile in einem großen Spinnennetz rum, ich schubse sie auf der Schaukel an und wir spielen Ewigkeiten in einem kleinen (viel zu stickigem) Zelt, dass wir Prinzessinnen sind, unser Schloss ausbauen, Geburtstagskuchen essen und uns ein böser Zauberer fangen will und wir deshalb über den Spielplatz schleichen müssen, um Essen zu holen. Voll knuffig :3

Außerdem gibt es eine ziemlich coole Trampolinhalle, in der Judy zu meinem Leidwesen nur 5 Minuten verbringen will (ich liebe Trampolinspringen) und eine andere Halle mit ganz viel Sand. Aber nicht so ein langweiliger Sandkasten… Viel cooler. Es gibt leuchtende Platten, auf denen man mit Sand malen kann, einen Sandkasten mit Beamer darüber, der einen Teich auf den Sand projiziert. Das Ganze ist ein interaktives Spiel, bei dem man mit kleinen weißen Platten über den Sand fahren und virtuelle Fische fangen und in einen Eimer transportieren kann. Ich bin begeistert. Außerdem gibt es einen Bildschirm, auf dem Wasser abgebildet ist. Die Kinder können Ausmalbilder mit Fischen ausmalen, sie in einen Scanner legen und der Fisch wird dann ins Wasser gebeamt und man kann ihn beim Schwimmen beobachten. Voll cool. So macht Arbeiten gleich doppelt Spaß.

Meine liebe Gastfamilie spendiert mir außerdem einen riesigen Früchte-Eistee mit frischen Erdbeeren, Kiwi-, Mango- und Ananasstückchen darin, obwohl ich nur nach einem Wasser gefragt habe. Es sind eben die kleinen Dinge, die einem den Tag versüßen :)

Nach ca. 3 Stunden auf dem Spielplatz (es ist mittlerweile schon dunkel) gehen wir dann Essen. Es gibt unter anderem ein total leckeres und sehr scharfes Kartoffelgericht aus dem Norden Chinas, in welchem ein paar Hühnerfüße zu finden sind. Ich bin mutig und probiere tatsächlich mal einen, denn irgendwo gehören solche kuriosen Dinge ja zur chinesischen Kultur dazu. Sonderlich lecker ist das Ganze nicht und ich bin froh, dass es so scharf gewürzt ist. Es ist einfach nur knorpelig, zäh und hat die Konsistenz von Gummireifen. Und ich will mir gar nicht vorstellen, worin das Huhn damit schon überall herumgescharrt hat. Igitt. Naja, irgendwie würge ich ein paar Stücke davon herunter und schaffe es dann irgendwie, den Rest aus meinen Stäbchen flutschen zu lassen und auf mein Kleid zu kleckern.  

Nach dem Essen laufen wir dann noch durch das wunderschön beleuchtete OCT, entlang von kleinen Kanälen, schauen uns ein paar Minuten eine Wasser- und Lichtshow an und hören einem Geigenvirtuosen zu. Ich liebe die Atmosphäre hier und wenn ich nicht ständig aufpassen müsste, dass Judy nicht wegrennt und ins Wasser fällt, wäre es ein extrem entspannter Abend. Ich muss hier unbedingt noch mal ohne Gastfamilie hin.

14Sept
2017

Ein bisschen Heimat in der Ferne

So langsam pegelt sich hier so etwas wie ein Alltag ein und es wird immer leichter, sich einzuleben. Man weiß mittlerweile, an welchen Tagen der Woche was ansteht, auch, wenn meine Zeit mit Judy nach wie vor ziemlich ungeplant und chaotisch ist.

Donnerstags ist jedenfalls immer der Tag, der mehr und mehr dazu beiträgt, dass ich mich hier wohlfühle und mir ein soziales Umfeld aufbauen kann, denn es ist nicht nur mein freier Tag, sondern auch der von meiner Freundin und ehemaligen Klassenkameradin Nelly aus Deutschland und vielen anderen Au Pairs.

Für diesen Donnerstag hatten Nelly und ich eigentlich beschlossen, an den Strand zu fahren. Wie wir dann leider feststellen mussten, ist dieser aber extrem weit weg und es gibt auch keine Metrolinie, die bis dorthin fährt. Da Nelly vormittags immer bei ihrem Sprachkurs in der Uni ist und uns somit nur der Nachmittag zur Verfügung steht, hätte sich das also nicht gelohnt und wir mussten ein bisschen umdisponieren. Aber spontane Aktionen sind ja sowieso immer die besten…

Den Morgen nutze ich daher erst mal zum Ausschlafen (was auf Grund der Tatsache, dass sich Chinesen nicht in einer normalen Lautstärke unterhalten können, sondern ständig zu schreien scheinen, nicht gerade einfach ist.) Zum Frühstück gibt es diesmal Mais, Süßkartoffeln, ein Stück Mantou Brötchen und Mooncake – der traditionellem Speise rund um das Mondfest, welches Anfang Oktober stattfinden wird.

Mooncake ist ein winziger, extrem süßer „Kuchen“, der mit verschiedenen Dingen gefüllt sein kann und meistens mit einer hübschen Kalligrafie verziert ist.  Mein erster Mooncake war mit süßer Dattelpaste gefüllt und hat gerochen, wie der geräucherte Käse von Krakauer Ostermarkt. Das war ein bisschen komisch. Der heutige ist aber ziemlich lecker, schmeckt ein bisschen nach halb rohem Knüppelkuchen und hat etwas Kürbis-artiges als Füllung.

Ein Tag, der nicht mit Porridge beginnt, kann eigentlich nur ein guter Tag werden. Den Rest des Vormittages verbringe ich mit relativ langweiligen Sachen, wie putzen, Wäsche waschen, endlich mal diesen Blog weiterschreiben und ein paar Hausaufgaben machen. Außerdem quatsche ich eine Weile mit meiner Gastmama, die irgendwie zum Mittag schon wieder nicht zu Hause isst. Also wieder mal eine nette Konversation auf Chinesisch zum Mittag, in der ich die Hälfte nicht mal ansatzweise verstehe ^^

Danach geht es dann mit Badesachen, Sonnencreme und Keksen bepackt auch direkt los. Ich liebe übrigens den Geruch von Sonnencreme, der ruft sofort tausend positive Erinnerungen in mir hervor und macht den Tag gleich noch mal um einiges schöner, als er ohnehin schon ist ^^

Mit der Metro geht es los in Richtung Oversease Chinese Town (OCT), einem riesigen Platz mit einer Bucht, einem kleinen Hafen, Springbrunnen, Restaurants, Tee-Cafés und vielen Shopping Malls. Nachdem wir eine Weile planlos herumlaufen, weil wir das OCT erst mal gar nicht finden, entdecken wir dann ganz viele öffentliche Fahrräder. Normalerweise muss man diese mit seinem Wechat-Account verbinden, um sie aufzuschließen, aber diese hier sind alle ein bisschen kaputt  und daher unverschlossen. Also fahren wir eine Weile durch die Gegend, bis wir den Strand des OCT entdecken, an dem wir eigentlich baden wollten. Nur haben wir keine Ahnung, wie wir dort hinkommen sollen und es sieht auch nicht so aus, als ob man dort wirklich ins Wasser gehen dürfte.

Also entscheiden wir uns spontan, noch eine Runde um das OCT mit den Fahrrädern herumzuradeln und zu schauen, was wir noch schönes entdecken können. Am Ende landen wir in einem riesigen Park mit Radweg entlang der Küste und einer tollen Aussicht auf die Skyline. Wir klettern auch mal auf den Steinen am Wasser herum und ich teste mal die Temperatur, aber um einfach hier schwimmen zu gehen ist es nicht nur zu felsig und rutschig, sondern auch viel zu dreckig und vermüllt. Trotzem haben wir einen super schönen Tag und es tut wirklich gut, einfach mal stundenlang mit einer Freundin über alles Mögliche zu quatschen und nebenbei zu radeln. Anfangs waren wir beide skeptisch, ob es so eine sinnvolle Idee ist, in die gleiche Stadt zu gehen, aber es ist einfach wahninnig gut, eine Bezugsperon hier zu haben, die in der selben Situation steckt und ein bekanntes Gesicht zu sehen, mit dem man auch mal in seiner Muttersprache reden kann.

Zwischendurch machen wir noch ein keines Picknick im Park, bei dem wir von einem ziemlich gruseligen Menschen total lange angestarrt und schließlich auch angesprochen werden. Als Nelly anfängt, ihn auf Deutsch vollzulabern geht er dann zum Glück auch wieder weg und beobachtet uns aus einiger Entfernung weiter. Gruselig.

Wir setzen also unsere Fahrradtour fort und tuckern in Richtung Innenstadt. Auch hier gibt es komische Menschen, die einfach mal während des Radfahrens Videos und Fotos von uns machen. Also manchmal muss man die Chinesen echt nicht verstehen.

Das hindert uns natürlich trotzdem nicht daran, einen wunderschönen Tag zu haben, den wir mit Tee und einem leckeren und vor allem super günstigen Abendessen (es ist der Wahnsinn, was man hier alles für 2-3€ bekommt) ausklingen lassen.

Außerdem hat die liebe Nelly mir eine Trinkkokosnuss mitgebracht <3 Diese Teile sind so unglaublich lecker und Kokoswasser ist echt eins der besten Dinge, die es in China so gibt. Außerdem eignet sich so eine ausgehöhlte Kokosnuss super als Stiftebecher ^^

 

Als ich Abends nach Hause komme, laufe ich noch ein paar Minuten durch den Garten unserer Community, denke über viele Dinge nach und begreife, wie wunderbar und einzigartig jede einzelne Erfahrung ist, die ich hier mache.

Zwei glückliche Seegurken ; ) Shenzhen Skyline (es ist ein bisschen smoggy, aber so ein Bildbearbeitungsprogramm kann einiges rausholen)

09Sept
2017

Because I’m Happy, Happy, Happy, Happy…

Da ich momentan meine Blogeinträge ziemlich wild durcheinander schreibe, muss die Chronologie meines Blogs ein bisschen leden. Aber sonst schaffe ich es wohl nie, euch up to date zu halten und ich will nicht immer alles erst Wochen danach veröffentlichen. Also erst mal: Ja, ich lebe noch und ich schreibe tatsächlich fast jeden tag an meinem Blog, es ist nur alles etwas wirr geordnet.

Irgendwann folgt dann noch ein Eintrag über die Wochen nach Peking, meine ersten freien Tage und eine Teezeremonie...

 

Also fangen wir jetzt mal beim 09.09. 17 an und aktualisieren dann rückwärts.  

Diese Woche macht den Stress der letzten Wochen von Tag zu Tag mehr wett. Mit Arbeiten ist momentan nämlich nicht so viel los und ich habe ziemlich viel Freizeit (in der ich trotzdem ständig mit viel zu vielen Dingen beschäftigt bin, aber immerhin.)

Am Donnerstag noch haben wir alle darüber geredet, dass es so ziemlich jedem Au Pair vor dem Wochenende graust und sich alle auf Montag freuen. Da ist es egal, wie sehr man seine Gastfamilie lieb hat, aber zwei Tage am Stück von morgens bis spät abends mit den Kids verbringen sind immer ganz schön hart. Ich freue mich zwar jeden Freitag wieder richtig, mit Judy zu spielen, wenn ich sie ein- ein halb Tage nicht gesehen habe, aber spätestens Sonntag Mittag sehe ich das anders. Deshalb bin ich umso froher über dieses wunderbare Wochenende.

Freitagmorgen renne ich erst mal mehr oder weniger zur Schule, denn ich bin ganz schön spät dran. Dabei hatte ich doch so einen guten Zeitplan und bin total pünktlich aufgestanden. Aber irgendwie hat Li-Ayi wohl vergessen, dass ich los muss und fängt kurz nach halb neun erst mal an, Kürbispfannkuchen zu braten. (Ich muss spätestens dreiviertel neun mit geputzten Zähnen das Haus verlassen, damit ich nicht den ganzen Weg rennen muss) Ich will mir schon einen Apfel schnappen und verschwinden, aber sie besteht darauf, dass ich sitzen bleibe und mindestens drei dieser Dinger esse (die zwar wahnsinnig lecker, aber auch mega heiß sind und ich habe verdammt noch mal keine Zeit, sie abkühlen zu lassen.)

Um neun schaffe ich es schließlich aus dem Haus. Also lege ich die gesamte Strecke zur Metrostation im Schweinsgalopp zurück (und es sind trotzdem noch 10 Minuten), fahre dann zwei Stationen mit der Metro, renne die restliche Strecke zur HQ Agency und dann noch die acht Stockwerke nach oben. Den Fahrstühlen dort traue ich prinzipiell nicht, vor denen wartet man immer fast fünf Minuten und dann steht man da drin, wie in einer Sardinenbüchse und kuschelt mit 20 wildfremden, schwitzenden Chinesen. Zwei Minuten vor Unterrichtsbeginn 9:30 Uhr,  komme ich dann total außer Puste im Klassenraum an. Um festzustellen, dass die Hälfte der anderen noch nicht da ist und nach und nach gemütlich angeschlendert kommen. Na toll.

Der Unterricht macht trotzdem Spaß, auch wenn wir fast die ganze Zeit nur nachsprechen, was Mia vorspricht und sie uns Fragen stellt, die wir dann mit dem gleichen Satzbau beantworten sollen. Außerdem lesen wir noch einen Text in unserem Buch (bei dem ich die Hälfte der Schriftzeichen schon wieder vergessen habe) und üben schreiben. Das ist immer wahnsinnig schwer, aber ich finde die Zeichen so hübsch, dass es jede einzelne Hausaufgabe wert ist.

Generell merke ich, dass ich wahnsinnig viele Fortschritte mache. Ich kann mittlerweile schon ein paar Zeichen aus dem Kopf schreiben, erkenne beim Lesen immer mehr und wenn meine Gastmutter mit Judy spricht, verstehe ich davon sogar relativ viel J

Mit dem Dialoge führen ist es allerdings noch etwas schwer. Ich kann zwar ganz viel sagen und fragen, nur verstehe ich leider die Antwort meistens nicht. Das ist zum Teil ganz schön anstrengend, da unsere Ayi der Meinung ist, dass mein Chinesisch super sei, seit wir mal eine Konversation aus drei Sätzen miteinander geführt haben.  Das führt dazu, dass sie mich jetzt immer pausenlos volltextet, wenn wir beide alleine sind, und mir irgendwelche Fotos von Leuten auf ihrem Händy zeigt. Ich habe keine Ahnung, was sie erzählt, und wenn ich ihr sage, dass ich sie nicht verstehe, versucht sie irgendwelche Worte in ganz schnellem Chinesisch mit noch komplizierteren Worten zu erklären. Mittlerweile lächle ich einfach verlegen oder antworte mit „gut“ oder „okay“. Keine Ahnung, ob ich ihr mittlerweile meine Seele verkauft habe oder  so ^^ Wenn ich merke, dass es eine Frage war, versuche ich immer, irgendetwas zum Thema passendes zu antworten:

„Blablabla… Schule… blablabla?“ – „Ich habe Montags, Mittwochs und Freitags Schule.“

„Blabla… Regen… bla.. Sonne…bla.. Freunde… Blabla?“ – „Ja, ich war gestern mit meinen Freunden im Park.“

Manchmal fühle ich mich ein bisschen, wie bei der versteckten Kamera. Das müsste ich echt mal filmen und später, wenn ich besser Chinesisch kann anschauen. Könnte ein neuer Blockbuster werden.

 

Also führen wir beide beim Mittagessen so eine ganz wundervolle „Unterhaltung“, denn meine Gastmama trifft sich draußen mit ihren Freunden. Ich nutze den Nachmittag, um Schriftzeichen zu üben und Vokabeln lernend im Garten der Community herumzulaufen. Ohne Mückenspray eine ganz schlechte Idee. Als Derni dann gegen um vier wiederkommt, gehen wir zusammen Judy vom Kindergarten abholen.

Der Rest des Nachmittags ist wahnsinnig entspannt, denn wir müssen keine Hausaufgaben etc. machen und spielen fast die ganze Zeit auf dem Balkon mit Seifenblasen. Als Judy die Seifenblasenlösung aus Versehen auskippt, das Ganze mit Wasser auffüllt und traurig darüber ist, dass es keine Blasen mehr macht, zeige ich ihr, wie man die Lösung mit Wasser und Seife selber machen kann. Da bin ich für sie den Rest des Tages ihre Heldin : )

Irgendwann gegen um fünf fällt den Eltern spontan ein, noch „heute Nacht“  über das Wochenende nach Guangzhou zu fahren, um Freunde zu besuchen. Und ich soll mit der Ayi zu Hause bleiben. Ein ganzes freies Wochenende, ich kann es noch immer nicht so richtig fassen. Ich lese Judy dann noch circa die Hälfte des Märchens „Der Froschkönig“ vor, als plötzlich der Vater in der Tür steht und meint, so, wir fahren jetzt. Es ist halb acht und wir haben noch nicht mal Abendessen gegessen. So viel zu „heute Nacht“. Chinesen und ihre Planung ey…

Nun ja, den Rest des Wochenendes habe ich also frei : ) Und ganz viel Zeit, um zu lernen und Blog zu schreiben. Hust hust…

Am Samstag schlafe ich erst einmal aus. Bis halb zehn im Bett liegenbleiben zu können, ist hier nämlich  eine echte Rarität. Zum Frühstück gibt es sogar mal keinen komischen Reisporridge, sondern Porridge aus einer Art Couscous, der halbwegs gut schmeckt. Und dazu meine geliebten Süßkartoffeln und Mais. Also auf  jeden Fall ein guter Start in den Tag.

Nach dem Frühstück geht Li-Ayi Gemüse kaufen und in der Hoffnung, einen coolen chinesischen Straßenmarkt zu sehen, komme ich mit ihr mit. Am Ende verbringen wir fast zwei Stunden damit, zum nächstgelegenen Supermarkt zu laufen und dort mit ca. einer Millionen anderen Chinesen Gemüse einzukaufen. Es ist einfach mal extrem überfüllt. Notiz an mich selbst: Samstag Vormittag einkaufen = ganz schlechte Idee.

An sich ist es aber mal ganz lustig, Chinesen beim einkaufen zuzusehen. Generell wird alles erst mal angetatscht, begutachtet, daran gerochen, manchmal auch gekostet und dann wird es wieder zurückgelegt (vor allem bei Obst ist das echt unschön, wenn Judy im Obstladen erst mal ihre Fingernägel in die Pfirsiche bohrt und es keinen zu stören scheint, außer mich)

Außerdem können die echt nicht mit Einkaufswagen umgehen. Da stehen zwei Einkaufswagen links und rechts im Gang zwischen den Tischen/ Regalen und eine dritte Frau mit Einkaufswagen möchte dazwischen durchfahren. Natürlich ist kein Platz für 3 Einkaufswagen nebeneinander. Was machen wir, wenn kein Platz ist? Richtig, wir schaffen ihn. Also werden die anderen beiden Wägen einfach so lange gerammt, bis der eigene Einkaufswagen durch passt, oder jemand zur Seite fährt. Freundlich fragen, ob man mal kurz durch darf, wird allgemein überbewertet ^^ Wozu mit Worten hantieren, wenn es auch mit Fäusten geht?

Ein anderes ekeliges Supermarkterlebnis: An einem Stand neben dem Gemüseabteil hängen irgendwelche komischen, gebratenen Tierköper herum. Ich kann nicht so ganz identifizieren, was es ist, aber wahrscheinlich Ente oder Huhn. Auf jeden Fall ist es ziemlich deformiert, hat eine Art Naht an der Vorderseite und man weiß nicht so ganz, was bei diesem mysteriösem Tier oben und was unten ist. Jedenfalls möchte jemand eins davon kaufen und der Mann hinter der Theke sticht mit einem Messer in die Naht, woraufhin sich eine extrem widerlich stinkende Flüssigkeit aus dem  Tierkörper ergießt. Dann wird das Ganze in eine Tüte gepackt und der Kunde geht freudestrahlend zur Kasse. Das war der erste richtige Schock-Ekelmoment, den ich in China bisher erlebt habe (wenn man mal von den Krankenhaustoiletten in Peking absieht, aber die waren lange nicht so schlimm, wie der Geruch aus diesem Tier.) Warum um alles in der Welt kauft man Fleisch, das schon im Laden so riecht? Muss man nicht verstehen.

Li-Ayi und ich laden einen ganzen Einkaufswagen voll Gemüse, von dem ich bei der Hälfte keine Ahnung habe, was es eigentlich ist. Auf jeden Fall ist ganz viel leckerer Kürbis, Fenchel, Mais und Süßkartoffeln dabei. Von dem vielen extrem lecker aussehenden Obst (Ananas, Pfirsich, Mango, Drachenfrucht und den ganzen Laden vollmiefenden Durianfrüchten) nehmen wir leider gar nichts mit :/

A Propos Durian… In Xuancheng habe ich tatsächlich mal ein Stück davon probiert und total vergessen, es hier niederzuschreiben. Der erste Biss war ganz okay, der Zweite hat schon Überwindung gekostet und danach wollte man einfach nur noch brechen. Ich verstehe nicht, warum Chinesen das Zeug so feiern und sogar auf Pizza packen. Man kann den Geschmack auch gar nicht beschreiben. Es ist irgendwie süß und gleichzeitig bitter und hat einen Nachgeschmack von „schon dreimal verdaut“

 

 

Als wir vom einkaufen wiederkommen, fängt Li-Ayi auch direkt an, Mittagessen zu kochen und ich nutze die Zeit für ein paar Hausaufgaben. Nach dem Mittag bin ich dann richtig motiviert, etwas zu unternehmen. Eigentlich will ich bloß ein bisschen die Stadt erkunden und schauen, wie weit man für eine bzw. zwei Metrostationen läuft. Um die Zeit nach dem Mittag ist die Stadt nahezu ausgestorben, da fast alle Chinesen, wann immer es geht, Mittagsschlaf machen.

Irgendwo auf meinem Weg höre ich dann aber Livemusik und gehe der Sache prompt auf den Grund. Deshalb verschlägt es mich dann zur Metrostation „Childrens Palace.“ Das ist mehr oder weniger ein großer Platz, auf dem eine Bastelstraße für Kinder eingerichtet ist. Dort kann man mit einer silikonartigen Masse mit kleinen Plastikkörnchen drin alle möglichen Styropor-Figuren ummanteln, Haare und Kleider formen und sich so seine eigenen Barbies, Autos und Tiere basteln. Das Zeug ist echt cool und vielleicht kann ich das mit Judy auch mal machen (bisher haben wir eine Anna, eine Prinzessin Jasmin und ein Pinjata-Pferd zu Hause… Eine Elsa fehlt also noch :D ) Keine Ahnung, warum ich das in Deutschland noch nie gesehen habe. Wahrscheinlich ist es aufgrund der Inhaltsstoffe schlichtweg verboten. Aber es fetzt…

Auf dem Platz ist es um diese Zeit nach wie vor ziemlich leer, aber einige junge Menschen haben sich um zwei verschiedene Musikgruppen versammelt. Es ist echt schön, mal einfach alleine rauszugehen und sich einfach mal treiben zu lassen, ohne festes Ziel in der Stadt herumzuspazieren. Also lausche ich eine Weile der Musik, und werde von einem kleinen süßen Mädchen inklusive noch kleinerer Schwester angesprochen, die sich vorher ganz lange neben mich gestellt und mich totaaaaaaal unauffällig angestarrt hat.

Danach spaziere ich in die Book City, wo ich ja mit meiner Gastfamilie schon einmal kurz war. Das ist mehr oder weniger ein riiiiiieeeesiger Buchladen über mehrere Etagen mit verschiedenen Kategorien. In der ersten Etage gibt es außerdem einen Laden für Musikinstrumente, viele Cafés, Stände mit Tee und Smoothies und auch ein paar abgedrehte Restaurants (Zum Beispiel das mit der Durian Pizza)

Des Weiteren findet man eine große Tribüne, auf der scheinbar alle Chinesen sitzen, die in der Stadt nicht zu sehen waren. Denn es werden gerade irgendwelche Buchpreise verliehen (das scheinen die hier recht oft zu machen.) Ich stelle mich kurz dazu, weil ich erst denke, es sei ein Konzert, gehe dann aber bald wieder, da ich eh nix verstehe.

Chinesische Kinder scheinen mich übrigens echt zu mögen, denn ich werde die ganze Zeit von einem Baby über die Schulter seines Papas angeschaut, bis ich „Ni hao“ zu ihm sage und es anfängt, ein total niedliches Babyglucksen und lachen von sich zu geben. So süß.

Dann zieht es mich weiter in die dritte oberste Etage der Book City, in der es ganz viele kleine Läden gibt, in denen man an Bastelworkshops, wie Töpfern, Scherenschnitte, Kinderbasteln und Origami teilnehmen kann.

Und ich habe wohl meinen ersten Lieblingsplatz hier gefunden: Einen wunderschönen kleinen Laden namens „Simple Things“, der alles hat, was mein kitschiges Bastlerherz begehrt: auf alt gemachte Karten, ausgebleichte Notiz- und Tagebücher mit Fotos und Stickern darin (als Beispiel, wie man sein eigenes gestalten kann), Washi-Tape in allen möglichen Farben und Mustern, Fotoecken, Lackstifte, hübsches Papier und und und. Die Atmosphäre ist sehr gemütlich und die Verkäuferinnen, die nicht viel älter zu sein scheinen, als ich, sitzen an der Kasse und spielen Ukulele. Ich könnte hier Stunden verbringen. (Wer meine etwas eigenartige Leidenschaft für Schreibwarenläden kennt weiß, dass das nicht übertrieben ist. Ich erinnere nur an unseren letzten Müllerbesuch, nicht wahr Chritti?)

 

Ich bin gerade einfach wahnsinnig glücklich, durch diese Lädchen zu schlappen, die so klein und gemütlich sind, im Gegensatz zu der unnormalen Größe der Stadt und aller Gebäude hier. So langsam fange ich an, mich hier richtig wohlzufühlen, mich einzuleben, eigene Wege zu gehen und mich ein klitzekleines bisschen „zu Hause“ zu fühlen. Auch, wenn es wohl noch eine ganze Weile dauert, bis ich mich zurechtfinde und hier wirklich angekommen bin. 

Als ich feststelle, dass es regnet will ich erst noch eine Weile in der Book City bleiben, entdecke dann aber eine Tür, die aufs Dach führt und muss einfach sehen, wo es da hingeht. Und was haben wir auf dem Dach? Einen riesigen Garten, der zur einen Seite an das Shenzhen Civil Center angrenzt (ein riesiges Regierungsgebäude mit einem großen Platz auf dem Dach, der für alle Arten sportlicher Betätigung genutzt wird) und auf der anderen Seite in meinen geliebten Lianhuanshan-Park angrenzt (der mit dem Berg und den vielen Mücken, aber heute bin ich eingesprüht ^^)

Auf dem Dach hat man eine tolle Aussicht auf das Civil Center und die Skyline der Stadt. Außerdem hat es so stark geregnet, dass die Abflüsse das Wasser nicht mehr abtransportieren können und ich mir nicht einmal mehr die Mühe mache, über die Pfützen zu springen. Mit komplett durchgeweichten Schuhen geht es also weiter in den Park (in den ich eigentlich nicht alleine gehen soll, weil ich mich ja verirren könnte) Zugegeben ist das bei einer Fläche von 181 Hektar und ziemlich dichter, tropischer Vegetation nicht mal so unwahrscheinlich. Aber ich vertraue einfach mal in mich selbst und bleibe auf dem Hauptweg, der nur um eine riesige Drachensteigewiese herumführt. Der Weg dürfte sich auch ziemlich gut zum skaten eignen und wenn ich es irgendwie schaffe, kaufe ich mir hier sicherlich mal ein paar Inline-Skates.

Mittlerweile sind auch wieder mehr Leute im Park, die spazieren gehen, Sport machen, Fotografieren, mit ihren Kindern Seifenblasen machen, Picknicken oder Drachen steigen lassen. Nicht solche langweiligen Kinderdrachen, aber riesige Adler und andere Tierformen und sogar ein Kite, der wahrscheinlich auch gut zum Windsurfen geeignet wäre. Ich finde es total toll, dass hier so viele Menschen Spaß an der frischen Luft haben und die Parks auch tatsächlich von Menschen jeden Alters genutzt werden (nicht so wie in Frankreich, wo immer nur Rentner und kleine Kinder im Park anzutreffen waren)

Ich entdecke viele neue Ecken des Parks, bin immer noch von der Vegetation begeistert und laufe um einen kleinen Teich, den man mittels einer Brücke aus einzeln im Wasser stehenden Felsen überqueren kann. Und mich quatscht schon wieder ein kleines Kind auf Chinesisch an ^^. Keine Ahnung, was die alle von mir wollen. Vielleicht sehe ich aber auch einfach komisch aus, wie ich barfuß mit meinen durchgeweichten Schuhen durch den Park spaziere und grinse, wie blöde, weil es mir so gut geht…

An einem Holzrundweg um den Teich ist eine Kindergruppe in Schuluniformen anzutreffen, die scheinbar ein Militärtraining absolvieren. Jedenfalls erzählt ihnen ein Soldat irgendwas, sie müssen eine Minute stillstehen, brüllen dann irgendwas, drehen sich um und üben marschieren. Das ist schon etwas merkwürdig, Grundschulkinder so etwas üben zu sehen. Die danebenstehenden Eltern scheinen aber sehr begeistert zu sein.

Außerdem ist da noch eine Gruppe Jugendlicher mit T-Shirts, auf denen „Elite-Team“ oder so etwas steht und die irgendwelche Konzentrations- und Teambildungsspiele spielen. Die sehen echt lustig aus, wie sie da auf dem Boden rumkrabbeln und Bilder zuordnen und später lustige Sportübungen auf der Wiese machen, die mich an unsere Partnering-workshops beim Tanzen erinnern.

À Propos tanzen… als ich von meinem Spaziergang aus dem Park zurückkomme, sind plötzlich ganz viele junge Menschen auf dem Civil Center versammelt und tanzen in verschiedenen Grüppchen. Scheinbar haben die keinen wirklichen Unterricht und auch keinen Trainer, sondern treffen sich einfach nur zu bestimmten Zeiten vor den spiegelnden Glaswänden des Gebäudes, um zusammen zu trainieren. Da Drei Hip-Hop Tänzer, die es einfach nur richtig gut drauf haben. So synchron sieht man eine Freizeitgruppe selten zu so schneller Musik tanzen. Außerdem ist da eine Gruppe ca. 14-jähriger Mädchen, die eine Choreografie von ihrem Ipad nachtanzen und zwei Gruppen Von Leuten, die Schwertkampf üben und daraus eine Art Tanztheather gemacht haben. Die werden dann leider, genau als ich sie Filme, von einem Polizisten unterbrochen, weil ihm die Musik zu laut ist.

Ich will auch mitmachen! Warum genau stehen meine normalen Arbeitszeiten so ziemlich genau im Gegensatz zu den Zeiten, in denen junge Chinesen mal nicht in der Schule/ Uni sind? Dadurch wird es hier glaube ich ganz schön schwer, hier einheimische Freunde zu finden…

Auf jeden Fall ist das alles total cool und ich bin gerade einfach nur unglaublich glücklich, ein Jahr lang in diesem facettenreichen Land leben zu dürfen. Jetzt bin ich eindeutig in Shenzhen verliebt. Ich finde diese Gruppendynamik der Menschen hier einfach so toll, die sich spontan irgendwo treffen und zusammen ihren Hobbys nachgehen. Und es ist ihnen auch komplett egal, ob ihnen dabei zugeschaut wird etc. Ich glaube, ich hätte mich auch einfach dazustellen und mitmachen können, aber leider habe ich keine Zeit mehr. Ich muss schließlich noch den richtigen Weg nach Hause finden, es wird langsam auch schon wieder dunkel und ich habe Li-Ayi versprochen, um sieben zum Essen da zu sein.

Nach dem Essen mache ich dann noch ein paar Hausaufgaben, freue mich das erste Mal über komische chinesische Süßigkeiten (nach so viel herumlaufen braucht man einfach ein bisschen Zucker und in der Book-City war nirgends ein Eis aufzutreiben) und skype mit meiner lieben Familie. Es ist übrigens echt schön, meine Großeltern mal wieder zu Gesischt zu bekommen <3

Also kann ich jetzt todmüde und überglücklich ins Bett fallen : )

Huiuiui, der Eintrag ist aber ganz schön lang geworden. Aber wenn ich so glücklich bin, muss ich jede einzelne Erinnerung daran festhalten. Eigentlich ist der Blog ja eh eher dazu gedacht, dass ich meine Gedanken besser ordnen kann und ich bin immer noch fasziniert, wie viele Leute das ganze trotzdem lesen und welch gutes Feedback ich ständig bekomme J Danke Leute! Und herzlichen Glückwunsch an alle, die sich diesen Eintrag tatsächlich bis zum Ende durchgelesen haben, ihr seid sehr geduldige Menschen : P

30August
2017

Peking 2.0 – Sommerpalast und Rückflug nach Shenzhen

Am nächsten Tag schauen wir uns tatsächlich mal etwas von Peking an. Nach dem Frühstück fährt meine Gastmutter noch mal zum Krankenhaus, um die Medikamente für den Opa zu kaufen. Während dieser Zeit, laufe ich mit den Judy und Großeltern durch den wunderschönen Garten des Hotels und wir füttern Kois. Diese sind einfach riesig. Der größte von ihnen ist sicher über einen halben Meter lang und hat einen Rumpfdurchmesser von 20 cm.

Als Derni wieder kommt, machen wir beide uns gemeinsam mit Judy auf zum Sommerpalast. Jeffrey ist irgendwie nach dem halben Abend in Peking wieder nach Hongkong zurückgeflogen. Braucht man auch nicht verstehen.

Der Sommerpalast, welcher als Sommerresident der Kaiser in der Quin- Dynastie genutzt wurde. Er wurde im 18. Jahrhundert erbaut und besteht aus vielen kleinen Häusern, Tempeln und einem riesigen künstlichen See, dessen Ausschachtung über 40 Jahre gedauert hat. Meine Gastmutter und der zu größten Teilen funktionsunfähige Audioguide erzählen viel über die Geschichte der Kaiserin Cixi, welche so sehr auf ihre eigenen Interessen fokussiert war, dass sie sich nicht um die Sicherheit des Landes gekümmert hat. Statt beispielsweise die geschwächte Seemacht Chinas auszubauen, hat sie ein Marmorboot im See errichten lassen, was die Staatskasse vollends erschöpft hat. Deshalb konnten während der Opium-Kriege Truppen aus Großbritannien und Frankreich nach China einfallen, Peking einnehmen, viele alte Gebäude zerstören und zahlreiche Schätze rauben.

Die wenigen Ausstellungsstücke, die man noch sehen kann, sind vor allem Vasen, da das Chinesische Wort für Vase dem für Hoffnung und Glück sehr ähnlich ist. Aber vor allem das Marmorboot, der riesige See mit einer kleinen Insel, die wunderschönen Brücken und die Aussicht vom höchsten Punkt des Berges, sind einfach atemberaubend schön.  Ich mag alte chinesische Architektur wirklich gerne. Auf dem Berg steht außerdem ein Buddha-Tempel mit dem Namen „Meer der Weisheit“, in dem viele Menschen (inklusive meiner Gastfamilie) zu den einzelnen Buddha Statuen beten. Die Außenfassade des Tempels ist mit hunderten kleinen Budda-Statuen bestückt, denen während der Kulturrevolution und nochmals später in der Geschichte, allen die Köpfe abgeschnitten wurden. Erst im Zuge der Olympischen Spiele hat man die Figuren restauriert und sie mit neuen Köpfen bestückt.

Wir wandern also eine ganze Weile durch den Sommerpalast und ich bin immer noch fasziniert davon, wie riesig China ist. So richtig kann ich es aber trotzdem nicht fassen. Ich meine, da ist einfach mal mitten in der (ohnehin schon riesigen) Großstadt ein See, der vermutlich größer ist, als Geringswalde inklusive aller umliegenden Felder.

Am Nachmittag gehen wir wieder ins Hotel zurück, Derni macht Mittagsschlaf und Judy und ich spielen noch eine Weile im Garten. Anschließend gehen wir in ein winziges Restaurant, in dem es die besten Auberginen gibt, die ich je in meinem Leben gegessen habe. Auch hier ist fast alles in dieser unglaublich leckeren süßen Sojasoße gegart.

Anschließend (eigentlich will ich nur ins Bett, ich bin nach wie vor total k.o.) passe ich noch bis um 10 auf Judy auf, da Derni sich mit einem Freund trifft, der die Großeltern zum Bahnhof begleiten soll. Dann packe ich mein Gepäck zusammen und gehe mal wieder viel zu spät schlafen.

Der nächste Morgen beginnt schon um 6:20, da wir ziemlich früh Frühstücken müssen. Dank der wunderbaren Zeitplanung, die Chinesen an den Tag legen, haben wir dafür ganze 15 Minuten Zeit (was mit einem kleinen Kind an einem riesigen Buffet nicht gerade viel ist). Dann verabschieden wir uns von den Großeltern und fahren eine Stunde mit dem Taxi zum Flughafen. Die Fahrt ist ziemlich cool (zumindest nicht ganz so Achterbahnmäßig) und ich kann sogar die Hutongs, einen Tempel, die Beijing-University und das „Vogelnest“ durch das Fenster sehen.

Auch der Flughafen in Peking ist super, gut beschildert, sauber und es gibt Wasserspender überall. Warum sehen hier alle Flughäfen so aus und bei uns gibt es so etwas chaotisches, wie Berlin-Tegel?

Judy hat heute irgendwie das Bedürfnis, ganz viele von mir selbst ausgedachte Geschichten zu hören und spornt meine grauen Zellen so richtig an. Sie sagt mir, welche Personen in der Geschichte vorkommen sollen und wie sie heißen sollen und dann habe ich ein paar Minuten Zeit, mir etwas auszudenken. Also erzähle ich ihr Geschichten von Prinzessinnen, die auf dem Rücken ihres Lieblingsdrachen zum Mond fliegen; Mäuse, die das Einhornfutter fressen und sich in Meerjungfrauen verwandeln und noch viele weitere Geschichten über  Monster in Schatzhöhlen, Einhörner, Prinzessinnen, Feen und andere Fabelwesen. Ich bin erstaunt darüber, wie kreativ ich bei sowas sein kann und Derni (auf dem Vordersitz) wundert sich erst, aus welchem Buch ich das ganze Vorlese, weil ich so flüssig erzähle.

Nach einer Weile Warterei, die mit noch mehr Geschichten gefüllt ist und einem circa dreistündigen, ziemlich anstrengenden Flug, kommen wir endlich wieder in Shenzhen an. Ich bin einfach nur unglaublich froh, wieder zurück „Zu Hause“ zu sein. Allein schon die 35 Grad, wenn man aus dem Flughafen kommt, die Palmen und vielen, vielen Bäume und die eindrucksvollen Glasfassaden der Wolkenkratzer, machen mich unglaublich glücklich.

 Das allerbeste: Nachdem ich mein Zimmer geputzt habe und den anderen noch ein bisschen mit dem Wohnzimmer geholfen habe, darf ich in mein Zimmer gehen und Pause machen. Die besteht zwar hauptsächlich daraus, meinen Rucksack auszupacken, aber trotzdem ist es schön, nach einem ganzen Tag Herumgereise mal Zeit für sich selbst zu haben. Nach dem Abendessen beschäftige ich mich noch ein wenig mit Judy und gehe dann endlich, endlich schlafen und freue mich wahnsinnig  über mein tolles, großes, und vor allem weiches Bett.

Hier noch ein paar der versprochenen Bilder :) Ich versuche demnächst mal, eine Fotocloud oder so etwas in der Art zu erstellen.

Der Garten des Hotels Riesenkois Pekingente Ein krasses Nobelrestaurant am chinesischen Valentinstag Aussicht aus dem Hotelzimmer. Peking ist echt niedrig. Uund hässlich. Aber da nur 4 Smogpunkte sind, kann man sogar die Berge sehen Judy mit Wunschzetteln. Süß, oder?  Sommerpalast Das Marmorboot der Kaiserin Cixi Bootsfahrt Hallelujah, ist das groß! Sommerpalast - See

29August
2017

Peking

Ja, liebe Leute, mein letzter Eintrag ist eine Weile her. Ich bin mittlerweile seit genau einem Monat in China und ich sollte vermutlich ein Resumee schreiben. Die letzten Tage/Wochen waren ziemlich anstrengend und ich habe meine wenige (bzw. inexistente) freie Zeit lieber genutzt, um mich mal ein bisschen auszuruhen. Vielleicht zeigt euch der Eintrag über Peking ja, warum. Ich werde auf jeden Fall versuchen, so viel wie möglich über die Ereignisse der  letzten Tage zu berichten und das ganze möglichst chronologisch zu gestalten… Jetzt, da Judy in den Kindergarten geht, habe ich ja auch ein bisschen mehr Zeit.

 

  Lächeln, Schreien, Hahnenkampf – Die drei Stufen chinesischer Konfliktlösung

 …Eine Abenteuerliche Fahrt nach Peking…

Oh Mann, ich freue mich echt, nach Shenzhen zurückzukommen. Die letzten zwei Wochen waren einfach nur wahnsinnig anstrengend und der heutige Tag hat noch mal eins draufgesetzt. Ich bin gerade einfach nur fertig. Aber von Anfang an…

 

Es ist 7:30, mein Wecker klingelt nach einer viel zu kurzen Nacht. Ich springe aus dem Bett und beeile mich, denn wir wollen halb 10 das Haus verlassen, um den Zug nach Peking zu nehmen. Da Judy ja immer mindestens eine Stunde zum Frühstücken braucht und ich danebensitzen und sie zum Essen motivieren darf, ist die großzügige Zeitplanung auch gerechtfertigt. Irgendwie ist aber außer den Großeltern noch keiner wach, ich hätte also auch ausschlafen können. Gegen 9:00 steht Judy dann auch mal auf. Nach dem Frühstück spielen wir noch eine Ewigkeit und ich wundere mich, warum alle so die Ruhe weg haben. Schließlich verlassen wir das Haus dann statt um zehn erst viertel zwölf und fahren noch eine Stunde mit dem Auto zum Bahnhof.

Nachdem wir dort noch eine Weile gewartet haben, geht es dann auch schon in den Zug. Chinesische High Speed Züge sind schon krass. Mit 300 km/h geht es von Xuancheng nach Peking. Und meine Gastfamilie hat tatsächlich Sitze in der Business Class gebucht :o Das Problem ist bloß, dass es zwei Business-Class Abteile im Zug gibt, eins an jedem Ende. Und etwas mit der Buchung schief gelaufen ist, sodass wir jeweils zwei Sitze in jedem Abteil haben (Kinder bekommen keinen eigenen Sitz). Nachdem wir dann zwei mal durch den gesamten Zug gelaufen sind, soll ich mit Judy in dem hintersten Abteil warten, während die Mutter ihre Eltern holt. Nachdem wir ca. 10 Minuten dort sitzen, kommt eine sehr schlecht gelaunte, unfreundlich aussehende Frau mit einem sehr verzogenem Kind und beginnt, mich auf Chinesisch vollzumeckern. Das einzige, was ich verstehe ist, dass wir aufstehen sollen. Also tue ich das, woraufhin Judy beginnt, die Frau anzuschreien und ich keine Ahnung habe, was genau das Probem ist. Glücklicherweise kommt in genau diesem Moment meine Gastmutter.

Das macht die ganze Situation aber auch nicht viel besser. Derni fragt die Frau, ob sie vielleicht mit ihr die Sitze tauschen können, damit wir mit den Großeltern zusammensitzen können. Anfangs lächelt Derni noch, die Frau aber steht die ganze Zeit mit verschränkten Armen da und guckt böse. Es entsteht eine sehr… lebhafte… Konversation. Irgendwann beginnen die beiden, sich anzuschreien. Anfangs noch immer lächelnd. Aber mit der Zeit werden beide richtig böse, meiner Gastmutter sieht aus, als ob sie gleich anfängt zu weinen, beide schreien einfach nur noch und ich habe Angst, dass sie gleich aufeinander losgehen und sich prügeln. Zu allem Übel kreischt Judy auch noch die ganze Zeit, tritt wild um sich und kann sich überhaupt nicht mehr kontrollieren.

Nachdem dann alle fertig mit schreien sind, sollen Judy und ich dann wieder in das andere Zugabteil gehen. Also noch einmal durch den ganzen Zug, an allen Leuten vorbei. Judy stampft frustriert durch den Zug, erzählt irgendwas, dass sie die böse Frau und ihr Kind sterben sollen und sie sie auf die Schienen schubsen will, alle Leute schauen uns ziemlich verwirrt an und ich habe immer noch keinen Plan, was genau das Problem ist.

Natürlich muss mich auch genau dann eine Schaffnerin nach unserem Ticket fragen, als Judy und ich alleine auf Derni warten, die alle Tickets in ihrer Tasche hat. Der netten Dame auf Chinesisch zu erklären, dass wir beide nicht alleine reisen und auf ihre Mutter warten, ist gar nicht mal so einfach, aber irgendwann habe ich sie wohl so verwirrt, dass sie einfach verschwindet und später wiederkommt.

Nach einer Weile kommt meine immer noch wütende Gastmama, wir essen (Judy und ich das Essen aus dem Zug, Derni Instant-Nudeln), sie versucht mir, die Situation zu erklären und geht dann wieder zu den Großeltern. Den Rest der vierstündigen Zugfahrt (ja, nur 4 Stunden, bei 300 km/h)  verbringe ich mehr oder weniger allein mit Judy. Wir schauen aus dem Fenster und reden über das, was wir sehen und ich versuche, sie zum Mittagsschlaf zu überreden. Das hätte auch fast geklappt, wenn dann nicht das Kleinkind vor uns aufgewacht wäre und der Vater der Meinung war: „Ach, lass uns doch mal mit dem freundlichen Au-Pair hinter uns spielen.“ Da will Judy dann natürlich auch mitmachen. Also kein Mittagsschlaf für uns beide. Irgendwann kommt  dann auch die Oma mit in unser Zugabteil und schläft nach zwei Minuten tief und fest und ich muss Judy, die mittlerweile ziemlich laut und hibbelig ist davon abhalten, sie ständig aufzuwecken.

Nachdem wir dann noch einmal durch den gesamten Zug gerannt sind, um unsere Koffer aus dem anderen Abteil zu holen, sind wir dann auch endlich in Peking angekommen. Ab da fängt der Tag dann an, so richtig anstrengend zu werden. Beim Warten vor dem Fahrstuhl am Bahnhof, ist Judy mega aufgedreht, klettert an mir herum und will ständig wegrennen. Mit Hampelmännern und Kniebeugen kann ich sie zum Glück noch etwas in Schach halten. Eine Frau in der Schlange neben uns fragt mich doch tatsächlich, ob ich Judys Mutter bin :o

Dann fahren wir noch ca. eine Stunde Taxi. Da wir ja schon die meiste Zeit des Tages nur im Zug/ am Bahnhof rumgesessen haben, ist Judy natürlich absolut nicht ausgelastet und will im Taxi rumspringen. Dummerweise sitzt sie auf meinem Schoß.

Mit „Ich sehe was, was du nicht siehst“, „Wer findet zuerst ein rotes Auto/ grünes Licht/ blaues Fahrrad“ und Regentropfenrennen an der Scheibe beobachten kann ich sie eine Weile ganz gut beschäftigen. Doch als sie irgendwann anfängt, mit ihrer Wasserflasche zu spielen, rumzumatschen und die Hälfte über uns auszukippen, schraubt die böse Dany ihre Flasche einfach zu. Das findet klein Judy aber gar nicht toll und es ist für sie Grund genug, erst mal komplett auszuticken. Sie fängt an, mich zu schlagen und als ich ihre Arme festhalte und versuche, sie zu beruhigen, beißt sie mich und verpasst mir eine fette Kopfnuss. Dann haut sie ab und krabbelt auf den Vordersitz zu ihrer Oma und fängt an, zu heulen.

Nach dem Stress der letzten Tage, dem vielen Herumgereise und dem Problem, dass ich mich hier momentan so gar nicht wohlfühle, könnte ich eigentlich selbst anfangen, zu heulen. Dass Judy im Hotel erst mal wegrennt und ich sie (immer noch um sich schlagend)  einfangen muss, macht das Ganze nicht besser. Als sie dann aber einen riesigen Plüschteddy in der Wartehalle des Hotels findet, schlägt ihre Laune schlagartig von richtig mies auf total fröhlich um. Meine nicht. Der Tatsache geschuldet, dass Judy vom Teddybär fällt, sich wehtut und bitterlich anfängt zu weinen, während die Gastmutter mich zum Check-In des Hotels schleift, kann ich ihr dann aber auch nicht mehr lange böse sein. Auch, wenn mich die Situation immer noch aufregt.

Als wir dann aber die Schlüsselkarten für unsere Hotelzimmer bekommen, bessert sich auch meine Laune. Denn ich habe einfach mal ein riesiges Hotelzimmer (wahrscheinlich eher eine Suite) mit super Aussicht, einem richtig noblen Bad mit Badewanne und vor allem einem riesigen und extrem weichen Bett. Also so richtig „Man kann rückwärts rein springen, ohne sich wehzutun und versinkt in 500 Kissen – weich.“ Ich habe mich noch nie in meinem Leben so über ein Bett gefreut, wie in diesem Moment. Das beste: Ich habe ganze fünf Minuten Zeit, mich auszuruhen, bevor es Essen gibt. Nach so einem Tag wirken selbst so wenige Minuten, wie zwei Wochen Urlaub.

Dann machen wir uns auf den Weg zum Restaurant. Einmal quer durch die Lobby, in der mit Goldelementen nicht gespart wurde und die aussieht, als hätte sie Ludwig XIV höchst persönlich dekoriert.   Ich fühle mich mit meinen Schlabbershirts unter den ganzen Anzugträgern, Kellnerinnen in weinroten Chiffonblusen und Concierges in Uniformen mit Bügelfalte ganz minimal deplatziert. Das ist definitiv ein paar Luxus- und Preisklassen zu hoch für mich. Zum Glück läuft meine Gastfamilie ebenfalls mit Schlabberstrickjacken herum und es achten sowieso alle nur auf den Opa, der in regelmäßigen Abständen versucht, auf den Boden des Restaurants zu spucken.

Nach dem Essen, was ziemlich gut ist, gehen wir in das Zimmer der Großeltern, weil Judy noch ein bisschen mit ihrem Opa spielen soll. Der ist heute wirklich gut drauf, ziemlich aktiv und interagiert weit mehr mit seiner Umwelt, als an manch anderen Tagen. Meiner Gastmutter steht sowieso schon den ganzen Tag das Wasser in den Augen, aber der Gedanke daran, wann und ob ihr Vater jemals wieder in so einem guten Zustand sein wird, macht sie total fertig. Jedenfalls fängt sie an, zu weinen, Judy versteht die Welt nicht mehr, der Opa weiß gar nicht, was los ist und ich sitze daneben und habe keine Ahnung, was ich tun soll. Ziemlich beschissener Moment. Ich könnte auch fast anfangen zu weinen, einfach weil ich so überfordert bin.

Als die Mutter und die Oma dann dem Opa beim Duschen helfen wollen, muss ich die total aufgewühlte Judy noch irgendwie bei mir im Zimmer beschäftigen. Und auch, wenn ich sie den ganzen Tag hätte auf den Mond schießen können, fühle ich mich jetzt wirklich, wie die große Schwester, die ihre kleine in den Arm nimmt und ihr sagt, dass alles gut wird. Nachdem Judy eine halbe Tüte getrocknete Blaubeeren und andere Süßigkeiten aufgefuttert und sich etwas beruhigt hat, lese ich ihr dann ein Stück aus ihre Lieblingsbuch vor, wir reden über die Bilder darin und die Geschichte dahinter und sie kuschelt sich in meine Arme. In solchen Momenten habe ich sie dann einfach nur lieb, selbst wenn sie den Rest des Tages ein kleiner Teufel war.

Irgendwann gegen halb 11 Abends,  kommt dann auch meine Gastmutter und erlöst mich für den Rest des Tages von meinen Pflichten. Ich bin einfach nur komplett fertig mit der Welt. Und am nächsten Morgen ist halb 7 aufstehen geplant L

Eigentlich bin ich extrem übermüdet, aber noch viel zu aufgewühlt, um zu schlafen. Deshalb bin ich umso froher, dass der liebe Tom sich immer wieder freiwillig meine Sorgen anhört und meine schlechten Launen erträgt. Dafür verdienst du dir (auch ganz offiziell und nicht nur per Whatsapp)  ein fettes Dankeschön <3 Ich wüsste nicht, was ich ohne deine aufmunternden Worte tun würde!

 

Es ist momentan einfach eine sehr schwere Situation für meine Gastfamilie und ich helfe gern, wo immer ich kann. Aber nachdem ich die letzten 2 ½ Wochen jeden Tag circa von morgens um 9 bis abends um 10 mit Judy verbracht habe und sie irgendwie auf nicht gerade allzu viel Raum beschäftigen musste, bin ich einfach nur noch total überarbeitet und es macht absolut keinen Spaß mehr. Ich sehne mich mit jedem Tag, der vergeht, nach einem geregelten Leben in Shenzhen zurück und küsse den Boden, sobald ich wieder dort bin.

 

 

 Peking mal anders - Bürokratie statt Tourismus

 

Auch der nächste Tag wird nicht viel weniger anstrengend. Ich wache erst mal in einem eisigen Zimmer auf. (Nein, diesmal nicht die Klimaanlage. Peking ist einfach kalt und ich bin zu blöd, den Sicherungsmechanismus des Fensters zu verstehen und kriege es nicht wieder zu) Dann geht es zum  Frühstück, welches so ziemlich das beste Frühstück ist, was ich hier je gegessen habe. Denn es ist gibt westliches und vor allem süßes! Essen. Wenn ein Tag mit Schokosoßen-Pfannkuchen, Muffins, Frühlingsrollen, Rote-Bohnen Baozi und ganz viel frischem Obst startet, kann er doch gar nicht so schlecht werden, oder? Hat schon mal jemand von euch versucht, Pancakes mit Stäbchen zu essen? Nein? Probiert es nicht, es ist zum Scheitern verurteilt.

Nachdem Judy dann erfolgreich ihren Joghurt über ihre gesamte Kleidung gekippt hat und wir noch mal ins Zimmer rennen, um sie umzuziehen, fahren wir dann zum „Krankenhaus“ Das ist ein riesiges Gebäude mit der Aufschrift „Medical Center“, in dem es so überhaupt gar nicht sauber und hygienisch ist, wie man es von seiner Aufschrift erwarten würde. Zumindest die Toiletten, auf die ich Judy dann irgendwann bringen muss, ähneln eher den kostenlosen Metallhäuschen an deutschen Autobahnraststätten, als denen einer Gesundheitsinstitution. Nach fünf Minuten in diesem Gebäude hat man das Gefühl, sich gerade mit 10 verschiedenen Krankheiten angesteckt zu haben.  Irgendwie scheint das Ganze auch eher auf traditionelle chinesische Medizin und Physiotherapie ausgerichtet zu sein. Und in der Wartehalle sitzen gefühlte 5000 Leute.

Nach einer Flasche Desinfektionsmittel und einer halben Packung Oreokekse, sitzen Judy und ich dann im Vorgarten des Zentrums auf einer Bank, lesen weiter in ihrem Zootopia-Buch. Nach ca. 1 ½ Stunden kommen ihre Mama und die Großeltern dann zum Glück auch schon wieder.

Anschließend geht es… Yippijayay… Auf die Passbehörde, da meine Gastmutter ihren Reisepass/ Wasauchimmer erneuern muss. Also noch mal über eine Stunde auf Bänken sitzen und warten. Zum Glück kann man Judy mit ein paar Zetteln und Filzstiften ganz gut beschäftigt halten. Schön ist es trotzdem nicht.

Als das Ganze dann endlich abgehakt ist, fahren wir in ein  Restaurant, um Mittag zu essen. Beziehungsweise brauchen wir erst mal eine ganze Weile, um den Opa zu überzeugen, mit uns mitzukommen und nicht in entgegengesetzte Richtung zu laufen. Während Derni versucht, ein Taxi zu bekommen, und ich aufpasse, dass Judy (die die ganze Zeit an mir rumklettert) nicht auf die Straße rennt, versucht die Oma kläglich, den Opa festzuhalten, bis ihr ein Sicherheitsbeamter zur Hilfe kommt.

Die Uber-Fahrt durch Peking gleicht dann eher einem Autorenn-Spiel und ich weiß nicht, ob ich wirklich froh sein sollte, neben dem Fahrer zu sitzen. Blinken ist in den meisten Städten ja sowieso nicht drin, daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Aber wie Leute innerhalb weniger Sekunden drei mal die Spur wechseln können, ohne auch nur einmal in die Spiegel zu schauen, zwischen Vollgas und Vollbremsung wechseln, als gäbe es dazwischen nichts, und zwischenzeitlich einfach auf mehreren Fahrstreifen gleichzeitig fahren können, ohne einen Unfall zu verursachen, ist mir noch immer ein Rätsel. Dieser Mann echt nicht fahren und Judy, die sonst eigentlich ziemlich hart im Nehmen ist, bricht am Ende dieser Achterbahnfahrt erst mal ins Auto.

Jedenfalls sind wir alle ziemlich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Dass ich auf die eigentlich sehr leckere Nudel-Tomatensuppe und Tofu-Pilzsuppe im Restaurant nicht allzu viel Hunger habe, brauche ich glaube ich nicht zu erwähnen. Ursprünglich wollten wir am Nachmittag ein paar Sehenswürdigkeiten von Peking anschauen, damit ich auch etwas von dieser Reise habe und nicht permanent nur am arbeiten und irgendwo warten bin. Dummerweise ist es durch diese ganzen Eskapaden aber schon so spät, dass wir nichts mehr unternehmen können, da alle Sehenswürdigkeiten schon um 5 schließen und wir mindestens eine halbe Stunde mit dem Taxi bräuchten, um irgendwo hin zu kommen.

Deshalb macht Judy erst mal Mittagsschlaf und ich habe eine Stunde Freizeit. Liebe Leute, findet den Menschen, der den Mittagsschlaf erfunden hat und verleiht ihm einen Friedensnobelpreis. Wären die Menschen ausgeschlafener, gäbe es sicher weniger Streit, Stress und Probleme auf der Welt.

Trotzdem bin ich danach noch komplett fertig und habe absolut keine Motivation, aufzustehen. Ich spiele noch eine Weile mit Judy, keine Ahnung, was wir dann noch machen, aber irgendwie ist schon wieder Abendbrotszeit und wir wollen und mit Jeffrey, der aus Hongkong angereist ist, in einem Restaurant treffen. Das ist dann auch mal eben das renommierteste Pekingentenrestaurant in ganz Peking. Und es ist chinesischer Valentinstag. Dementsprechend ist es verdammt voll und wir müssen eine Stunde warten, bis wir einen Tisch bekommen. Eine Stunde, in der ich darauf aufpassen muss, dass Judy nicht in das ungesicherte Koibecken plumst. Und eine Stunde, in der ich fast im Stehen einschlafe. Irgendwann kommt dann  auch Jeffrey und bemerkt, wie müde ich aussehe und verspricht, sich den Rest des Abends mit Judy zu beschäftigen, damit ich ein bisschen abschalten kann. Der Plan geht zwar nicht so ganz auf, da Judy mir trotzdem die ganze etwas mitteilen will und ich die einzige bin, die aufpasst, wenn sie aufspringt und wegrennt, aber eine nette Geste ist es trotzdem.

In diesem Restaurant gibt es einfach mal nur total krass angerichtetes Essen und jeder Teller ist dekoriert, wie ein kleines Landschaftsgemälde. (Fotos werden nachgereicht) Und ja, selbst ich oller Vegetarier probiere mal ein Stück Pekingente. Was daran allerdings so toll sein soll, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Das Fleisch ist zäh, hat eine ekelige Konsistenz und die Haut ist einfach nur triefend vor Fett. Allerdings mag ich die kleinen Pfannkuchen mit gezuckerter Sojsoße, in die man die Ente und das Gemüse einrollt. Also esse ich für den Rest des Abends Sojasoßen-Gemüsewraps, was einfach nur mega geil schmeckt. Ich liebe die Soßen in Beijing.  Die haben so viel mehr Geschmack und Gewürze als in Shenzhen. Außerdem gibt es zur Nachspeise noch eine Art Schokoeis, welches in flüssigem Stickstoff hergestellt wurde und man damit ziemlich lustige Dampfschwaden aus seinem Mund wabern lassen kann. Insgesamt blecht meine Gastfamilie für das Abendessen, von dem sicher ein Drittel weggeschmissen wird umgerechnet einfach mal über 250 Euro. Das ist schon ein bisschen krank. Wir sind in China, hier bekommt man ein ganzes, leckeres Gericht von dem man mehr als satt wird für unter 2 Euro, in so ziemlich jedem Restaurant. Muss man nicht verstehen.

Als wir dann gegen neun ins Hotel zurückkommen, habe ich den Rest des Abends zum Glück für mich und ich gönne mir erst mal ein Bad. Völlig unökologisch, ich weiß. Aber nach den letzten Tagen habe ich mir das mehr als hart verdient. Und ich meine, das muss man doch nutzen, wenn man ein Luxusbadezimmer mit Wanne hat, oder?

 

In meinem nächsten Blogeintrag, der hoffentlich nicht so lange auf sich warten lässt, geht es dann um die schönen Seiten von Peking und die Rückkehr in mein geliebtes Shenzhen. Bis dahin: Lasst es euch gutgehen, vergesst mich nicht und fühlt euch gedrückt.

23August
2017

Wandern, essen und viel mehr

  1. August 2017

Am übernächsten Tag geht es spannend weiter, denn wir gehen wandern. Damit wir dies noch bei halbwegs humanen Temperaturen und nicht in der Mittag

shitze veranstalten, fahren wir auch schon halb acht los.

Judy und ihre Mama schlafen bei Jeffrey im Hotel und wir wollen uns am Fuß des Berges treffen. Deshalb bin ich am nächsten Morgen mit den Großeltern und Ayis allein. Die meinen es heute besonders gut mit mir und brummen mir Maisbrei mit grünen Bohnen, Süßkartoffeln und ein riesiges Stück Geburtstagstorte zum Frühstück auf. Ich bin echt froh, mal wieder was Leckeres und vor allem Süßes zu frühstücken, nachdem es die letzten drei Tage zu jeder Mahlzeit Porridge gab (die neue Ayi kann scheinbar nur dieses eine Gericht kochen und das noch nicht mal besonders gut) … Aber wer soll das alles essen?

Irgendwann machen sich dann Oma, Opa, die Opa-Betreuungs-Ayi und ihr komischer Ausländer im Schlepptau auf die Suche nach einem Taxi. Auf dem Weg dorthin (ca. 500 Meter) werden wir von 4 Nachbarn angequatscht und das einzige, was ich verstehe, ist „Wei-guo-ren“  (Ausländer) Scheinbar scheine ich hier als ganz interessante Attraktion zu gelten.

Am Fuß des Berges treffen wir uns mit Jeffrey (meinem Gastvater.) Judy und ihre Mama wollten ausschlafen und kommen deshalb nicht mit wandern. Also kraxeln Jeffrey und ich allein auf den Berg.

Man erzählte mir ja ursprünglich von einem Hügel, den wir hochlaufen wollen und ich dachte erst, dass das sicher bloß ein kurzer, nicht besonders anstrengender Spaziergang wird. Als ich dann komplett durchgeschwitzt nach gefühlten 7000 Treppenstufen auf dem Gipfel des Berges stehe, den ich sogar von meinem Fenster aus in der Ferne sehen kann, bin ich anderer Meinung ^^

Der Berg ist aber wirklich schön. Die Wanderwege sind umgeben von Bambuswald und Teeplantagen, man hört keine  Großsstadtgeräusche mehr, sondern nur zirpende Grillen und zwitschernde Vögel. Überall stehen kleine chinesische Pavillions, es gibt viele traditionelle Häuser und sogar ein Tempel (der leider geschlossen hat.) Die Aussicht ist toll. Der Kontrast zwischen dem Grün des Waldes, dem Gelbgrau der Stadtbebauung und dem leuchtenden Rostrot der Erde, überall, wo gerade neues Bauland entsteht, zeigt mal wieder den Facettenreichtum der Chinesischen Landschaft. Der Berg ist außerdem reich an kulturellen Schätzen, da ein berühmter Poet hier lange Zeit gelebt, meditiert und an seinen Schriften gearbeitet hat. Deshalb sind auch im gesamten Park Statuen und Steine mit Gedichten von ihm aufgestellt.

 

Tempel am Fuß des BergesChinesisches Englisch... Manchmal lustig, manchmal einfach nur wirr

 

Scheinbar gibt es hier echt Leute, die noch nie einen nicht Han-Chinesen gesehen haben, denn ich werde (gaaaanz unauffällig) angestarrt und sogar von einem Wanderer um ein Foto gebeten. Das fühlt sich echt komisch an. Ich möchte bitte nie, nie, niemals berühmt werden.

Nach circa 2 Stunden Wanderung und einem ganz schön großem Umweg (nicht nur mein Orientierungssinn ist schlecht ^^) kommen wir wieder am Fuß des Berges an. Ich bin überglücklich über diesen schönen und vor allem mal sportlichen Ausflug 

Um das „Ich habe mich bewegt und etwas Gutes für meinen Körper getan“ –Gefühl gleich wieder zunichte zu machen, gehen wir am Abend dann schon wieder in einem Hotel essen. Mit noch mehr Leuten an einem noch viel größerem Drehtisch. Dieses Hotel ist richtig cool,  da es alles traditionell chinesisch angelegt ist. Es gibt einen Garten mit Wasserfall, Felsen von verschiedenen Gebirgen, einen wunderschönen Koiteich mit Brücke und Steg über das Wasser, einen Säulengang und einen Garten voller runder Steine, auf denen man barfuß gehen soll/darf.

Nachdem wir eine Weile durch den Garten spaziert sind, gehen wir in den Essenssaal, der auch total schön dekoriert ist. Auf dem großen runden Tisch mit Drehplatte in der Mitte liegen Schriftrollen aus Xuan-Papier, Kalligrafie-Pinsel und ein „Inkstone“ (quasi getrocknete, harte Tinte, die vor dem Zeichnen mit Wasser angerührt wird, so ähnlich wie diese Wasserfarb-Malkästen) An den Wänden hängen Tuschezeichnungen und Tintenmalereien und der ganze Raum ist mit Stühlen und Tischen aus verschnörkeltem roten Holz bestückt.

 

leckere Nudeln, Pfannkuchen, Fischsuppe, gebackener Reis und Bohnen Der Garten des Hotels Der Garten des Hotels 

Es sind mal wieder sehr viele Leute da und es gibt warmen Feigensaft und Reismilch, beides hat eher die Konsistenz von Kartoffelsuppe und ich bräuchte nach 3 Gläsern eigentlich nichts mehr zu essen, aber es ist sehr lecker. Die Männer stoßen fleißig mit Baijiou an und lassen ihre Autos am Ende des Abends von externen Fahrern nach Hause fahren (das ist hier ein richtig häufiger Job. Die fahren mit zusammenklappbaren Fahrrädern zum gewünschten Ort, ziehen Handschuhe an und legen eine Schutzmatte auf den Sitz und fahren dir dann dein Auto nach Hause)

Diesmal wird ein anderer Jugendlicher neben mich gesetzt, der zum Glück nicht so schüchtern wie Alan ist und vor allem ziemlich gut Englisch spricht. Er ist 17 (nach unserer Rechnung also 16, in China rechnet man das Geburtsjahr als erstes Jahr ist dadurch ein Jahr älter) und legt dieses Jahr das Gaokao ab (Aufnahmeprüfung für die Universität, mit dem Abitur bei uns zu vergleichen)

Also haben wir ziemlich viel Gesprächsstoff über Schule, Studienpläne und Reisen (er hat zwei Wochen Urlaub in Australien gemacht.)

Es ist ist echt interessant und ich bekomme einen guten Einblick in den Alltag chinesischer Schüler. Bis zur 9. Oder 10. Klasse ist die Schule hier wohl recht human und die Unterrichtszeiten vergleichbar mit denen in Frankreich (von 8 Uhr bis 15:30/16:00 mit einer Stunde Mittagspause und 8 Unterrichtsstunden à 40 Minuten) Alan hat zum Beispiel noch immer genug Zeit, täglich 1 ½ Stunden Basketball zu spielen.

Aber die Oberstufenschüler können einem einfach nur leidtun. Der Junge (dessen Namen ich mir dummerweise nicht merken konnte) erzählt mir, dass die Schule 7:30 anfängt, aber alle schon 7:00 zur self-study Zeit da sein und lernen müssen. Mittags haben die Schüler dann zwei Stunden Pause. Dann geht es weiter bis nachmittags um sechs, gefolgt von einer Stunde Pause zum Abendbrot-essen. Der Schultag endet dann offiziell Abends um 11:00 Uhr und er kann nach Hause gehen. Auf meine Frage, wann er denn dann Hausaufgaben mache und lerne, antwortet er mit „Na nachts, wenn ich dann zu Hause bin.“ So was wie Wochenende hat er auch nicht, denn samstags findet ebenfalls Unterricht statt und auch am Sonntagnachmittag besteht Anwesenheitspflicht zum autodidaktischen Lernen in der Schule. Das gleiche Spiel während der Sommerferien. Also viel mit Leben ist da nicht. Und in seiner Klasse sind 63 Leute.

Wenn ich darüber nachdenke, wie gestresst ich in der Abizeit manchmal war und wie wenig Freizeit blieb, wenn man sich wirklich gut auf alle Tests und Klausuren vorbereiten wollte, verstehe ich nicht, wie nicht jeder einzelne chinesische Schüler bei so viel Schule und Leistungsdruck komplett kollabieren kann. Wir sollten uns wirklich glücklich schätzen, so ein humanes Schulsystem erlebt haben zu dürfen, welches vor allem Raum für Indivitualität und freie Persönlichkeitsentfaltung lässt.

Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, mit noch vielen weiteren jungen Menschen hier zu sprechen und besser zu verstehen, wie ihr Leben hier läuft.

 

 

 

 

19 . August 2017

Am nächsten Tag geht es dann schon wieder mit ganz viel Essen weiter, denn zum Mittag fahren wir zu der komischen 26-jährigen Jura-Cousine und ihren Eltern nach Hause. Die meiste Zeit bin ich damit beschäftigt, Judy davon abzuhalten, den einzigen Goldfisch (der in einem mit 2 trostlosen Plastikpflanzen dekorierten Aquarium lebt) ständig aus dem Wasser zu angeln. Und sie ans Essen zu erinnern, da der Fernseher, der die ganze Zeit läuft natürlich viel besser ist. Zugegeben, es schmeckt hier wirklich nicht sonderlich gut und fast alles, was es an Essen gibt sind halb rohe Kidneybohnen und komisches hartes Gummigemüse, das nach absolut gar nix schmeckt. Von dem Vorschlag, abends noch mal dort zu essen halten zum Glück auch die anderen nicht viel und wir gehen wieder in dasselbe Restaurant wie am Vortag.

Vorher müssen Judys Eltern noch mal in die Stadt, Zugtickets kaufen. Wir fahren nämlich am 27. August nicht, wie geplant, nach Shenzhen zurück, sondern nach Peking, um ihre Visa/Reisepässe zu erneuern. Das freut mich total (auch, wenn das heißt, dass ich meinen ersten Monat in China zum größten Teil gar nicht zu Hause war ^^) denn wir haben dort auch ein bisschen Zeit, die Stadt anzuschauen.

Während die beiden also zum Bahnhof fahren, spiele ich mit Judy und Xiaobao im Garten des Hotels, wir füttern Fische und laufen auf dem Barfußpfad/ Platz herum.

Das Abendessen ist echt super. Nicht nur, weil es gut schmeckt, sondern auch, weil mich Tingting und ihr Mann am Ende noch chinesisch Vokabeln abfragen und ich feststelle, dass ich mittlerweile tatsächlich sogar ein paar Schriftzeichen lesen kann : )

Außerdem legt die Oma eine total coole Gesangseinlage mit traditioneller chinesischer Musik hin. Den ganzen Abend wird viel gesungen, gelacht und die Oma und der Opa tanzen sogar eine Runde. Sie sind nämlich früher auch richtig mit Musik und Tanz aufgetreten. Diese Kultur so hautnah erleben zu können ist wirklich einzigartig und aufregend.

 

 

  1. August 2017

Am Vormittag mache ich wie immer Hausaufgaben mit Judy. Aber es läuft erstaunlich viel besser, als sonst. Sie liest einen ganzen Text, ohne zu bocken und wir haben sogar echt Spaß an den Aufgaben. Deshalb bekommt sie heute einen fetten Smiley in ihr Heft gemalt, über den sie sich riesig freut. Zu viel Lob ist aber scheinbar auch nicht gut, denn irgendwann fängt sie an, beim schreiben allen Buchstaben Gesichter und Haare zu malen, wodurch man rein gar nichts mehr entziffern kann.

Nachmittags begleite ich meine Gastmama nach draußen, um Obst im Obstladen (ja, richtig, ein ganzer Laden nur voller Obst, ein Traum, nicht wahr?) zu kaufen. Außerdem spazieren wir noch eine Weile durch die Stadt und ich komme in den Genuss des chinesischen Streetfoods : ) Wir kaufen nicht nur ganz viele leckere Mangos und Drachenfrüchte, sondern holen an einem kleinen Straßenstand, der aus einem alten Container besteht, eine Art Wrap, in dessen äußeren Teig ein Ei aufgeschlagen wurde.

Streetfood Ein Streetfood-Moped 

Am Abend gehen wir dann mit Judy und Xiaobao auf einen Indoorspielplatz. Die Chinesen mögen diese, auf Kühlschranktemperatur klimatisierten, leuchtend bunten und vor allem lauten Spielplätze scheinbar echt gern. Es gibt sie jedenfalls sogar in so einer kleinen Stadt, wie Xuancheng, zu Hauf. Immerhin habe ich , während die Mädels rumtoben Zeit, mich mit Derni über Geschichte und Politik in China und der Welt zu unterhalten (und da sage mal einer, Chinesen würden nicht gern über Politik reden)

Indoorspielplatz

 

  1. August 2017

Irgendwie könnte ich hier Seitenweise über das Essen schreiben, aber das hat einen extra Eintrag verdient. Kurzum: Es ist meistens lecker, wir haben jetzt schon wieder eine neue Ayi (die dritte in weniger als zwei Wochen :o ) und die kann richtig gut kochen. Zum Frühstück gibt es meistens Porridge, in letzter Zeit aber immer öfter kleine Reisküchlein und eine Art süßes, weiches Weißbrot (hier von allen als Pancake bezeichnet)

Diesmal gehen wir aber Nudelsuppe frühstücken. In einer total kleinen, alten und etwas abgeranzten Straßenkantine : ) So hab ich mir China vorgestellt.

Da Judy heute ein bisschen kränkelt und so sehr in ihr Spiel vertieft ist, sollen wir keine Hausaufgaben machen. Also bauen wir eine Höhle für ihre Puppe und die Kuscheltiere, spielen mit den übriggebliebenen Luftballons vom Geburtstag und zeichnen ganz viele Winx-Feen.

Am späten Nachmittag kommt Xiaobao vorbei und ich habe ein bisschen Freizeit, die ich zum Blog schreiben nutze… (Ja, ich bin in letzter Zeit etwas nachlässig geworden, aber zeitiger schlafen gehen und skypen mit lieben Menschen, die Sehnsucht nach mir hatten, war echt wichtiger)

Abends wird es dann richtig cool. Nach dem Essen spazieren Derni und ich in einen Park, Judy, Xiaobao und deren Großvater fahren mit dem Moped hinterher (ganz genau, zu dritt auf einem Moped)

Diese lautlosen Elekrtroroller hier sind eh gruselig. Die fahren gerne auf dem Bürgersteig herum, oder neben den Fußgängern auf dem Zebrastreifen und drängeln sich durch die Menschenmassen in der Fußgängerzone.  Wenn sie hupen, hat man noch Glück, man wurde schließlich vorgewarnt.

Mit Helm fährt hier natürlich keiner, dafür aber gern mit Sonnenschirm zwischen Schulter und Nacken geklemmt, mit Gesichtsverschleierung, um ja nicht braun zu werden, oder mit total stylischen „Decken“, die über Lenker und Knie gespannt werden, um sich vor dem Fahrtwind zu schützen. Am liebsten nimmt auf einem solchen Roller dann auch eine ganze Kleinfamilie Platz. Neulich habe ich sogar  die Kombo: Vater, Mutter und zwei Kinder munter über die Kreuzung tuckern sehen.

Auf dem Weg zum Park und auch darin sehen wir total viele Frauen mittleren Alters Square Dance tanzen. Ein Phänomen, das es wahrscheinlich nur in China gibt und einer der Gründe, warum mich diese Kultur so fasziniert. Wildfremde Menschen treffen sich spontan auf der Straße oder in irgendwelchen Parks und tanzen zusammen, haben Spaß und geben noch nicht einmal Geld dafür aus. Neben Square Dancern gibt es auch einen Platz, wo Leute Paartanz üben und ganz viele kleinere Kindergrüppchen, die Inlineskaten üben.
Die Atmospäre in diesem Park ist echt unbeschreiblich schön und ich verliebe mich mehr und mehr in die chinesische Kultur und dieses wahnsinnig spannende und Facettenreiche Land : )

Mopedfahrt Im Park 

 

 

16August
2017

Shengri Kuaile – Alles Gute zum Geburtstag, Judy

Den Geburtstag eines kleinen Kindes mitzuerleben ist etwas wirklich Schönes. Wer kann sich nicht an dieses einzigartige Gefühl erinnern, das man früher als Geburtstagskind hatte? Man war für einen Tag der Mittelpunkt des Geschehens, hat sich ganz besonders gefühlt, durfte sein Lieblingskleid anziehen und es gab Erdbeerpfannkuchen zum Frühstück.

Also kann ich Judys Aufregung an diesem Tag voll und ganz nachvollziehen. Ich versuche, ihre Haare besonders hübsch zu frisieren, sie darf ihr weißes Prinzessinnen – Kleid anziehen und sogar ein Krönchen aufsetzen. Darüber freut sie sich wie Oskar, rennt ständig zum Spiegel, schaut mich an und fragt: „Beautiful?“ Ach ja, die kleine Maus ist schon echt süß. Gestern meinte sie dann auch zu mir „Alan (ihr Cousin) can not come to my birthday party when he eats not well. But you can always come, because you are my sister“ Ist das nicht knuffig?

Den Großteil des Vormittages verbringen wir damit, zu zeichnen und mit ihren Kuscheltieren zu spielen. Da kommt mein inneres Kind wieder zum Vorschein und ich freue mich, dass wir mal keine Hausaufgaben machen müssen (was in den letzen Tagen zu einer immer schlimmeren Geduldsprobe für mich wurde) und sie einfach nur in Ruhe spielen kann.  

Mittags kommt dann Jeffrey aus Hongkong angereist und nimmt sie zum Mittagsschlaf mit in sein Hotel. Als sie nachmittags wieder kommen, laufen wir noch circa eine Stunde in der Stadt herum, holen ihre Geburtstagstorte ab und gehen zu einem Friseur, um ihre Haare flechten zu lassen. Dann fahren wir in ein Hotel, in dem sie extra einen Festsaal gemietet haben, um Judys Geburtstag zu feiern.

Alles ist mit rosa Luftballons im Micky Maus style dekoriert und es gibt einen riesigen runden Tisch mit Drehplatte. Die ganze Familie inklusive aller Tanten, Großtanten, Onkels und Opas ist zusammengekommen, um gemeinsam zu essen und wir sind insgesamt circa 16  Leute. Ganz schön viel Trouble, für so ein kleines Kind. Aber vermutlich geht es hier eher um das Zusammensein als Familie, als um Judy. Die interessiert sich nämlich weder für die vielen verschiedenen Gerichte auf dem Tisch, noch für ihre Verwandten, sondern spielt den ganzen Abend mit Xiaobao.

Da die beiden zu sehr in ihr Spiel vertieft sind, um mich daran teilhaben zu lassen, habe ich nicht großartig viel zu tun. Zum Glück habe ich meine Kamera mit und spiele den ganzen Abend für alle den Fotografen, das ist nicht ganz so langweilig, wie am Tisch zu sitzen und nichts zu verstehen. Ab und an unterhalte ich mich auch mit Alan, der darauf aber keinen Bock zu haben scheint und lieber mit seinem Handy spielt.

Außerdem ist noch eine Tante von Judy da, die ich von ihrem Verhalten her  zuerst auf 16 schätze (sie blödelt die ganze Zeit mit Alan rum, filmt und fotografiert mich ständig „heimlich“ und zockt Videospiele auf ihrem Handy) Als sie mir dann in gebrochenem Englisch erzählt, dass sie 26 ist und Jura studiert hat, bin ich etwas geschockt ^^

Aber ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mich sogar ein paar Sätze auf Chinesisch mit ihrer Mutter unterhalten kann 

Alles in allem war es ein schöner Tag und ich bin immer wieder froh, hier zu sein, so eine niedliche kleine Schwester zu haben und in solch einer lieben und warmherzigen Gastfamilie leben zu dürfen. 

 

 

  Es gibt Elsa- Torte, die fast nur aus komischer blauer Fake- Sahne besteht ^^

Auf allen anderen Bildern sind zu viele Gesichter zu erkennen, als dass ich sie hier einfügen wöllte. Wer mehr Fotos sehen will, kann mich gerne anschreiben und bekommt sie dann per Mail geschickt ; )

15August
2017

Crocodile Dundee

 

Oh nein, jetzt hat es doch tatsächlich durch das Bilder einfügen den gesamten Text gelöscht, an dem ich jetzt eine dreiviertel Stunde lang gearbeitet habe :(

 

Also noch mal in Kurzform...

Die letzten zwei Tage war ich krank und habe außer mit Judy spielen, ihr bei den Hausaufgaben helfen und den Rest des Nachmittags schlafen nicht viel gemacht.

Heute muss Judy keine Aufgaben machen und wir verbringen Vormittag mit spielen und zeichnen. Sie mag momentan Winx- Feen total gern.

 

Nachmittags fahren wir (Derni, Judy, Tingting und Judys 6 Monate ältere Cousine Xiaobao (was so viel wie "kleines Baby/ kleiner Schatz" bedeutet) zu einer Alligator Station. Diese wurde ins Leben gerufen, um die Population einer chinesischen Alligatorart, die schon als ausgestorben vermutet wurde, wieder aufzustocken. 

Die Tiere haben dort relativ große, artgerechte und grüne Gehege mit vielen Pflanzen. Außerdem gibt es dort einen Affenberg und eine Wüstenlandschaft, aber leider haben wir keine Zeit, das anzuschauen. 

Insgesamt war es echt ein schöner Tag und ich hoffe, wir machen noch häufiger solche Ausflüge.

 

Für mehr Fotos könnt ihr auch einfach Alligator Lake Xuancheng im Internet suchen.

13August
2017

We are Family

Ja, der letzte Blogeintrag klang gar nicht mal so positiv. Doch die letzten zwei Tage haben es wieder gutgemacht. Und das, obwohl wir nichts sonderlich interessantes unternommen haben, da die hier alle nicht wirklich Zeit haben und es den ganzen Tag regnet. Aber mittlerweile fühle ich mich hier wirklich angekommen, sowohl in der Familie, also auch in meiner Rolle als große Schwester und Familienmitglied. Wie das so plötzlich passiert ist, weiß ich selbst nicht.

 

Anzeichen dafür, dass du Mitglied einer chinesischen Großfamilie bist:

  • Es stört dich nicht, wenn du dich gerade umziehst, zwei kleine Kinder ohne zu klopfen ins Zimmer stürmen und es stundenlang belagern
  • Du wirst im mit dem Spiel „Der Tiger ist krank, wir müssen das Gift aus seinem Blut holen“ von einer vierjährigen in die Geheimnisse Chinesischer Akupunktur eingewiesen
  • Es stört dich nicht mehr, wenn der Opa beim Essen anfängt, sich zu übergeben, angekautes Zeug in deine Schüssel/ auf den Boden wirft oder mit seinen Stäbchen in deinem Reis rumstochern will
  • Hupgeräusche in der Nacht stören dich auch nicht mehr
  • Generell stört dich rein gar nichts mehr
  • Du redest alle Leute mit Onkel und Tante an
  • Du wirst mit „große Schwester“ angesprochen und auch unter fremden als solche vorgestellt
  • Ein kleines Kind umarmt dich und kuschelt mit dir auf dem Sofa, während du Winx-club auf Chinesisch mit ihr schaust und in Kindheitserinnerungen schwelgst
  • Du wirst um Rat gebeten
  • Du bist die einzige, die es mitbekommt, dass der Alzheimer kranke Opa versucht, sich aus der Wohnung zu schleichen, redest ihm auf Chinesisch gut zu, sich wieder hinzusetzen, er hört auf dich und tätschelt dir die Schulter
  • Die Oma ist genau so „Kind, bist du wirklich schon satt? Komm, iss noch etwas mehr“ mäßig drauf, wie deine eigene und steckt dir ständig Süßigkeiten aus getrockneten Blaubeeren zu
  • Du verstehst etwas, wenn Leute miteinander chinesisch reden
  • Dein Gastkind sagt, sie mag die blonde Trickfilmfigur mit den blauen Augen am meisten, weil sie wie ihre große Schwester aussieht
  • Du hast alle Menschen um dich herum wahnsinnig lieb und findest sie meistens einfach nur süß

 

 

Samstag, 12. August 2017

Morgens versuchen Judy und ich, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Nur gefällt ihr das Lesen heute so gar nicht. Sie springt auf meinem Bett rum, äfft nach, was ich sage, beißt und spuckt in mein Kopfkissen, beißt mich in den Rücken und krakelt in ihrem Heft rum. So einen schlimmen Bockanfall hatte ich bisher noch nicht bei ihr erlebt. Vermutlich wollte sie einfach nur ihre Grenzen austesten. Irgendwann, als sie merkt, dass ich wirklich nicht mit ihr spielen werde, wenn sie ihre Aufgaben nicht erledigt, können wir dann nach einer dreiviertel Stunde auch mal mit dem ersten Heft anfangen. Anfangs klappt es gar nicht gut, beim zweiten Heft ist sie recht motiviert, beim dritten hat sie keine Lust mehr und rennt zu ihrer Mama. Als sie feststellt, dass die Mama zu mir hält und ihr gebietet, zu tun, was ich sage (wie ich sie dafür liebe!) ist die Mama erst mal die Böse und wir bekommen die Aufgabe wenigstens halbewegs zu Ende. Dafür darf sie dann auch die Bilder auf der Seite ausmalen. Zum Essen kommen will sie deshalb aber nicht, schmollt in meinem Zimmer, wir lassen sie ausbocken und gehen. Nach einer Weile kommt sie heulend angerannt, weil wir nicht mit dem Essen auf sie gewartet haben. 

 

Nach dem Mittagsschlaf ist sie aber wieder lieb und wir probieren erst mal eine neue Flechttechnik an ihren Haaren aus. Derni muss mit der Oma irgendwo hin, eine neue Pflegerin für den Opa finden, weil die alte meinte, sie wolle diesen Job keinen Tag länger machen.

Deshalb gehen dann ihre Schwester Tingting, Alan, Judy und ich in eine Bäckerei, Kuchen kosten. Ich bekomme eine Art Mangocreme-Kaltschale und Milchtee mit Hokkaidokürbis-Stückchen drin spendiert: ) Außerdem gibt es diese kleinen Portugiesischen Puddingtörtchen, die wir damals aus Lissabon mitbringen wollten. Chinas Sonderprovinz Macao war nämlich ehemals portugiesische Kolonie

Wir bekommen sogar eine halbwegs anständige Konversation auf Englisch zu Stande, Alan erzählt viel über das chinesische Schulsystem und fragt vor allem nicht mehr mein (nicht vorhandenes) Geschichtswissen ab ^^

Zurück zu Hause spielen Judy und ich den Rest des Nachmittags in meinem Zimmer mit einem  kleinen Plüschtiger, dessen größte Leidenschaft Donut und Kuchen essen ist. Sie ist so vertieft in das Spiel, dass sie es nicht mal mitbekommt, dass ihre 6 Monate ältere Cousine in der Tür steht.

Später spielen die beiden zusammen in der „Wolfshöhle“ unter meinem Schreibtisch, ich verstehe sogar manchmal, was sie sagen und versuche, mitzuspielen. Als ich dann aus der Dusche wieder komme, haben die beiden eine super niedliche Zirkusshow für die Familie vorbereitet, in der sie Gedichte, die chinesische Nationalhymne und verschiedene Lieder rezitieren. „Hallo, ich bin Bailing, vier Jahre alt und meine Heimatstadt ist Xuancheng. Heute singe ich >>Frozen<< von Elsa“ Das tut sie auch, in irgendeiner selbst ausgedachten Sprache. Alle sind sehr stolz auf mich, dass sie ja schon den ganzen Text auf Englisch auswendig kennt. Ähm, ja gut ^^ Auf jeden Fall ist das ganze extrem niedlich und ich bin froh, dass ich so eine tolle kleine Schwester habe J Und auch, wenn ich kaum etwas verstehe, fühle ich mich total in diese Familie integriert.

 

Sonntag, 13. August 2017

Auch heute ist Judy nur sehr schwer für ihre Leseübungen zu motivieren, aber nicht so schlimm wie am Vortag. Mit kleinen Spielpausen zwischen jedem Arbeitsblatt kann ich sie ganz gut bei Laune halten und sie akzeptiert sogar meinen Countdown, nach fünf Minuten mit dem nächsten Heft weiter zu machen.

Leider bin ich dafür heute nicht ganz so gut drauf, da die Klimaanlage heute Nacht extrem windig eingestellt war und ich Halsschmerzen habe. Deshalb freue ich mich umso mehr über den Mittagsschlaf. Das Beste passiert aber erst danach: Judy und ihre Cousine spielen total vertieft in ihrem Zimmer und wollen nicht gestört werden, deshalb habe ich zwei Stunden Freizeit und kann mich in mein Zimmer verkrümeln. Manchmal machen einem die kleinsten Dinge echt die größte Freude hier. Und so ein bisschen Freizeit tut extrem gut.

Abends spiele ich dafür auch wieder mit voller Power mit Judy. Die ist echt einfach nur knuffig. Sie findet nämlich alles toll, was ganz klein ist. Vor allem Holzfiguren in Ü-Ei-Figuren Größe. Deshalb hat sie ihrer Cousine eine gekauft und schenken wollen. Als diese die Figur jedoch nicht toll findet und ihr sagt, dass sie das Geschenk behalten kann, bricht Judy in Tränen aus. Sie kann absolut nicht nachvollziehen, dass andere Leute  nicht die Selben Sachen toll finden, wie sie. Schließlich wollte sie ihrer Cousine nur eine Freude machen. Schon süß :3

Abends schauen die beiden Mädels noch Winx-club im Fernsehen. Als die Cousine heim geht und ich den Fernseher ausschalte (3 Folgen sollten ja wirklich genug sein) ist das Geschrei natürlich erst mal groß. Aber nach ein paar Sekunden Ablenkung (Wo ist denn unser kleiner Tiger?) ist Judy mit unserem Spiel beschäftigt. Bis die Oma der Meinung ist, denn Fernsehe wieder anzuschalten. Hm : / irgendwie hatte sie meine Aktion wohl nicht verstanden. Aber man solle ja eine chinesische Oma ja nie hinterfragen …

 

Random Fact: In Xuancheng wird das berühmte chinesische Xuan Papier hergestellt, ein Bambuspapier, welches gern für chinesische Kalligrafie genutzt wird. Japanische Spione versuchten mehrmals, das Rezept zu stehlen und das Papier zu kopieren, aber es gelang ihnen bis heute nur mangelhaft. Die Besonderheit des Papiers ist, dass die Tinte sich leicht und gleichmäßig ausdehnt, aber nicht verläuft, und so ein harmonisches Schriftbild mit weichen Kanten erzeugt.

11August
2017

Naja, was will man machen...

Freitag, 11. August 2017

 

Diesen Tag würde ich nicht gerade als den sonnigsten in meiner bisherigen Chinazeit beschreiben. Vormittags mache ich Hausaufgaben mit Judy. Sie hat drei kleine Hefte für Englisch-Erstklässler mit Übungen zu Grammatik, Rechtschreibung und Leseverständnis. In jedem der Hefte sollen wir täglich je eine Seite erledigen, was sich bei mangelnder Motivation Judys dann schon mal über zwei Stunden erstrecken kann. Klar, dass sie dann irgendwann keine Konzentration mehr hat.

Danach gibt es schon wieder Mittagessen. Die Ayis hier können leider nicht ganz so gut kochen, wie unsere zu Hause, aber das Essen schmeckt trotzdem ganz in Ordnung. Aber warum muss es denn immer so riesige Schüsseln voll Reis geben? Ich versteh immer noch nicht,  wie Chinesen sich so wenig bewegen, so viel essen und trotzdem so dünn bleiben können. Zum Mittag sind neben den Großeltern, den zwei Ayis und uns noch Tingting, die Schwester meiner Gastmutter und ihr Sohn Alan da. Der ist 12 und spricht kaum Englisch. Deshalb soll ich mich nach dem Mittagessen mit ihm unterhalten.

Nachdem er mich eine halbe Stunde lang mehr oder weniger interviewt hat: "Wie groß bist du? Was willst du in diesem Jahr über China lernen? Was ist dein Lieblingsessen in China? -bisher definitiv Baozi mit süßer roter Bohnenpaste gefüllt" will er dann, dass ich ihm etwas über Bismark erkläre. Das Problem ist nur, dass es bei ihm an solchen Wörtern wie "Alliance, friendship, boat, peace, king, etc. " scheitert und ich jetzt auch nicht allzu viel Ahnung von Geschichte hab ^^ Naja, irgendwie habe ich ihm dann si einigermaßen verständlich gemacht, dass es ein Bündnissystem gab, durch welches Bismark den Frieden in Europa sichern wollte, er dann aber abgesetzt wurde, und das System wegen des Flottenaufrüstungsprogramms zusammengebrochen ist. Ich hoffe, das war auch richtig so und ich hab ihm da keinen Mist erzählt. 

Am Nachmittag ist dann auch nix weiter spannendes passiert. Wir sind mit Judy zu einem Indoor Spielplatz gegangen, wo sie zwei Stunden mit anderen Kindern spielen und Trampolin hüpfen durften, ich hab mich so lange mit Derni (der Gastmutter) über das Lernen von Sprachen und das Reisen unterhalten. Sie war voll geschockt, dass ich noch nie in der Schweiz war, weil sie dort schon zwei Mal auf Geschäftsreise in Basel war und es total schön fand.

Außerdem habe ich sie gefragt, ob ich für die zwei Wochen einen Arbeitsplan bekommen kann, da ich nie so richtig weiß, wann ich hier arbeite und wann nicht :/ Leider ist das aber nicht möglich. Und sie wollen auch nicht, dass ich mir hier in der Freizeit alleine die Stadt angucke, weil sie Angst haben, dass mich Leute anstarren und anquatschen wollen und ich mich da unwohl fühle. Ich glaube, das muss ich noch mal diplomatisch ausdiskutieren. Schließlich will ich hier mal ein paar Fotos vom traditionellen China machen. Ganz so idyllisch und ländlich, wie in deiner Vorstellung, ist es hier aber leider nicht, Mama. Eher laut hupend und überfüllt und man hat ständig Angst, überfahren zu werden. Die fahren hier echt gerne mit ihren Elektromopeds auf dem Bürgersteig und in der Fußgängerzone herum.

Naja, auf jeden Fall ist der Tag weniger interessant, als ich gehofft hatte. Dazu kam die Tatsache, dass der vorherige Tag schon nicht so spannend verlief und ich hier eigentlich viel mehr arbeite, als ich sollte (auch, wenn es sich nicht wirklich wie Arbeit anfühlt, ist es doch noch nicht so einfach, sich hier in eine Rolle als große Schwester einzufügen, vor allem, wenn kaum ein Wort versteht.) Die Nachricht, dass mein kleines Kaninchen in Deutschland ganz schlimm krank war und gestorben ist, macht das Ganze nicht besser :( Und ich sitze auf der anderen Seite der Erde, konnte rein gar nichts für sie tun und es fühlt sich einfach nur kacke an.

Zum Glück ist Judy die beste Ablenkung, die man sich wünschen kann und nach dem Essen gehen Derni, Judy und ich noch eine Runde in der Stadt spazieren (die leider um diese Uhrzeit einfach nur dunkel mit bunter Leuchtreklame ist)  Aber wir kaufen ganz viele Früchte, die man in Europa nicht kennt und essen Erbsen-Eis am Stiel (das schmeckt echt besser, als es klingt)

Außerdem bin ich wahnsinnig froh, so liebe Menschen zu Hause zu haben, die sich immer Zeit nehmen, mit mir zu skypen. Danke <3

10August
2017

Ein bisschen echtes China

Halli hallo ihr lieben. Ich melde mich nun aus dem "kleinen" 2,5 Millionen Einwohnerörtchen Xuancheng, welches in der Anhui Provinz Chinas liegt. Wir besuchen hier für zwei Wochen die Großeltern, feiern Judys Geburtstag und die ganze Familie kommt zusammen.

Shenzhen, Donnerstag,10. Juli 2017

Nach einer für meinen Geschmack viel zu kurzen Nacht stehen wir um sieben auf, frühstücken schnell irgendwas Omelette ähnliches und verlassen durch Judys Bummelei beim Essen verursacht dann ziemlich hastig das Haus. Schließlich wollen unseren Flug nach Nanjing nicht verpassen. Also rennen wir nach der Taxifahrt relativ kopflos auf dem Flughafen von Shenzhen herum, da weder die Flughafenmitarbeiter noch meine Gastmutter so wirklich wissen, wohin wir müssen. Nach circa einer Stunde von Sicherheitskontrolle zu Sicherheitskontrolle joggen sind wir dann auch endlich in der Wartehalle. (Chinesen können sich tatsächlich auch schnell bewegen, ansonsten haben die alle einen totalen Spazierschritt drauf)

Nur um zu erfahren, dass unser Flug wegen schlechten Wetters oder sonst etwas verspätet ist. Gut, das bin ich ja nun gewöhnt, wenn ich alleine irgendwo hinreise. Nach Frankreich wurde der Flug ja komplett um einen Tag verschoben, bei meiner Anreise nach China war er auch eine Stunde verspätet, warum solle es jetzt auch anders sein ^^ So richtig sagen, wann der Flug startet kann uns auch keiner. Also heißt es warten, warten, warten. In China wird man geduldig, in jeder Hinsicht. Denn alles dauert hier irgendwie doppelt so lang und die meißten Dinge, die man nicht versteht, akzeptiert man einfach irgendwann. Generell bin ich hier einfach viel gelassener und es fällt mir leichter, Dinge einfach zu tolerieren. Dazu gehören sogar ensame Schildkröten in einer Minischüssel mit Wasser ohne jegliche Pflanzen/Steine :/ Wo mein heimatliches Tierschützerherz sofort Alarm schlagen und mich drei Tage nicht schlafen lassen würde, sagt es sich hier: "Es ist halt China, es ist normal hier, du kann es nicht ändern, also akzeptiere es."(Auch, wenn ich es natürlich immernooch nicht gerade toll finde und ich den kleinen Monstern irgendwie helfen will)

Naja, zurück zum Thema. Immerhin gibt es am Flughafen gratis Wasserspender (sogar mit kaltem Wasser!) und leckeres Essen (irgendwelche kalten Reisnudeln in Chiliölsoße mit Gurkenraspeln.) Judy ist auch geduldig und spielt, malt und redet die ganze Zeit mit mir :) Schon lustig, wie einen die Leute anschauen, wenn man als einziger Ausländer mit einem kleinen chinesischen Kind am Flughafen Englisch redet ^^

Kurz nach 12 (mit über zwei Stunden Verpätung) werden wir dann endlich zum Boarding aufgerufen. Um dann noch eine Stunde im Flugzeug zu warten, bis es losgeht. Auf dem zweistündigen Flug kann ich tatsächlich sogar ein paar Minuten Schlaf ergattern, trotzdem binich hinterher total fertig. Dann noch zwei Stunden Auto fahren. Judy neben mir total aufgeregt, ihre Großeltern zu sehen und deshalb unnormal ungezogen, quengelig und LAUT in meine Ohren quiekend. So hab ich sie vorher auch noch nicht erlebt, normalerweise ist sie ein ziemlicher Sonnenschein.

Als wir dann (endlich) ankommen,bemerke ich: jetzt sind wir im echten China. Shenzhen ist sehr groß, sauber, grün und der Straßenverkehr ist relativ geregelt. Auf der Fahrt nach Xuancheng sehe ich innerhalb weniger Minuten alles, was man sich unter China so vorstellt. Bauern mit Reishüten, die an einem langen Stock über ihrer Schulter zwei Eimer wie an einer Waage tragen. Kleinkinder, mit Schlitz in der Hose, die auf den Bürgersteig pullern. Eine Herde von 40 Elektrorollern, die zeitgleich die Spur wechseln. Darin Kleinfamilien von zwei Erwachsenen und ein bis zwei Kindern samt Wocheneinkauf auf einem Moped. Natürlich ohne Helm, dafür mit rosa Hello Kitty Handwärmern (Es sind hier 35 Grad, was zum Henker...)

Im Haus der Großeltern angekommen, geht es dann typisch chinesisch weiter. Wir gehen in ein Restaurant mit runder Tischplatte, die sich drehen lässt und auf der eine Millionen verschiedener Speisen stehen. Das meiste ist als Gemüse identifizierbar und schmeckt gut. (Schon mal gerösteten Kürbis gegessen?) Die ganze Familie mütterlicherseits ist zusammengekommen. Die Schwester meiner Gastmutter, deren Mann und ihr zwölfjähriger Sohn, zwei Onkels, deren Rolle ich noch nicht so ganz verstehe, die Großeltern, die zwei Hausnannies, die sich um den Alzheimer-kranken Opa kümmern, Judy, die Mama und mittendrin eine komische Ausländerin mit "voll blonden, lockigen Haaren und weißer Haut", die kein Wort versteht. Aber alle sind lieb und begrüßen mich ganz herzlich, es wird sicher 20 Mal während des Essens aufgestanden und auf irgendwas angestoßen "Die Familie, den Ausländer, die Kinder" und ganz viele andere Sachen, die ich nicht verstehe. Ich mache einfach mit, lächle und strecke mein Glas mit heißem Maissaft (eher dickflüssige, süße Suppe) in die Luft.

Ansonsten ist das Essen eher weniger nach dem Vorurteil: "Die Chinesen haben keine Tischmanieren." Zumindest in meiner Familie wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass Judy gerade sitzt, nicht schmatzt oder irgendwas ausspuckt und vor allem wird sie sehr böse angeschaut und ermahnt, als sie ihren Maissaft schlürft. Und man hält sich sogar meistens zurück, mir irgendwelches Essen in meine Schüssel zu legen. Auch, wenn ich trotzdem sehr oft gefragt werde, ob ich wirklich schon satt bin und nicht noch eine zweite Schüssel Reis/ Süßkartoffeln/ Suppe möchte. Das "Wo bu chi rou" - "Ich esse kein Fleisch" wird hier aber allgemein akzeptiert. Also Leute, macht die Chinesen nicht immer so schlecht! Die essen wirklich sehr normale Sachen :D 

 

Wenn ich morgen die Zeit dazu finde, erzähle ich euch, was hier bisher sonst so passiert ist, wie sich das Leben in einer Chinesischen Großfamilie anfühlt und eine spannende Geschichte über Papier...

08August
2017

Die erste Arbeitswoche in Shenzhen

Hallo ihr lieben, ich lebe noch. Ich hatte bisher bloß keine freie Minute, um mal wieder einen Blogeintrag hochzuladen. Entweder bin ich in der Schule gewesen, habe gearbeitet (was sich nicht wirklich wie Arbeit anfühlt und ich mir deshab immer doof vorkomme), mich verlaufen, oder es gab Essen (man verbringt hier so unnormal viel Zeit mit Essen)

Was die letzten Tage so passiert ist:

Montag, 6. August - Verirrt in Shenzhen

Nachdem ich leckere mit Lauch, Knoblauch und Ei gefüllte Jiaozi (Maultaschen) zum Frühstück esse und wahrscheinlich für europäische Mitmenschen nicht mehr zu ertragen bin, (Es die Chinesen aber scheinbar eh nicht juckt, wie sie riechen) treffe ich mich mit meiner Nachbarin und Betreuerin Tess im Nachbarhaus. Zusammen fahren wir mit der Metro in die HQ Au Pair Agentur. Leider kann ich mir den Laufweg doch nicht so gut merken, wie ich dachte, was mir später zum Verhängnis wird. Auf dem Weg erzählt sie mir viel über das Au Pair Programm generell, den chinesischen Straßenverkehr (der nicht so schlimm ist, wie erwartet) und möchte wissen, warum genau ich so verrückt war, mich für China zu entscheiden.

Die Agentur ist in einem sehr schönen Umgebung gelegen und die Klassenräume und Büros sind gemütlich klein, hell, freundlich und vor allem klimatisiert und mit einem Wasserspender ausgestattet! Ich liebe das Wetter hier zwar, aber nach einer halben Stunde im freien möchte man eigentlich nur noch duschen.

Dort angekommen, bekomme ich meine Metro- und Simkarte und lerne auch meine anderen beiden Betreuerinnen Mia und Alice in Persona kennen. Die beiden sind sehr nett und machen es einem leicht, in Shenzhen gut anzukommen.

Dann beginnt auch schon meine erste Training-Lesson. Das heißt Einzelunterricht mit Tess über die Distrikte in Shenzhen, die schönsten Orte, Sehenswürdigkeiten und wichtige Aspekte über das Leben in dieser Stadt.

Nachdem das Training beendet ist, soll ich den gleichen Weg zurück zur Metrostation nehmen, zwei Stationen mit der Metro fahren, am richtigen Ausgang aussteigen und nach Hause laufen. Der Plan war gut... doch er wurde ohne meinen Orientierungssinn beschlossen. 

Den Weg zur Metrostation zu finden, ist ja nicht mal das Problem. Ich kenne die ungefähre Strecke, biege nur ein mal zu früh ab, bin deshalb dann total verwirrt, quatsche dann schlichtweg einen Verkehrspolizisten auf Chinesisch an "Ich will dahin gehen" und tippe auf meine Metrokarte. Durch ein kleines Wunder versteht er mich wohl tatsächlich und deutet irritiert in die Richtung der Metrostation. Ich schaffe es sogar, an der richtigen Station wieder auszusteigen. Dummerweise hat die Metro aber über 50 verschiedene Ausgänge und ich einen Zahlendreher. Also steige ich nach langer Suche die Treppen des Ausgangs 13 (es wäre die 31 gewesen) hoch und bin komplett verloren. Das Regierungsgebäude kenne ich zwar und kann es sogar von unserem Balkon aus sehen, aber hier sieht einfach jede Straße gleich aus. Nachdem ich eine halbe Stunde orientierungslos herumlaufe und eine gated Community finde, die exakt aussieht, wie unsere, spreche ich den Mann am Gate an:  "Ich will dahin gehen" (dieser Satz ist so nützlich ^^) und deute auf den Zettel mit meiner Adresse. Nur ist diese natürlich in lateinischen Buchstaben geschrieben, ich komme schlauerweise nicht auf die Idee, sie ihm vorzulesen, es schüttelt nur mit dem Kopf und sagt "Ich spreche kein Englisch." Na toll. Als es mir zu doof wird, suche ich mir das nächste größte Gebäude, dessen Aufschrift ich lesen kann und rufe meine Gastmama an. "Hello, it's Danya. I am lost." embarassed Vor allem war es so ärgerlich, dass sie dann extra herkommen und ein Taxi nehmen musste, um mich abzuholen, obwohl ich nur 5 Minuten Fußweg entfernt war. Warum gibt man aber auch vier exakt gleich aussehenden Wohnkomplexen aus je 8 Häusern den gleichen Namen und baut sie auch noch alle um eine einzige beknackte Kreuzung herum???

 

Da das Mittagessen so spät stattfindet und meine Gastmama dann auch Trainingschool hat, muss Judy heute keinen Mittagsschlaf machen (den macht sie sonst immer von um zwei bis um vier). Ich bin zum ersten Mal mit ihr und Li-Ayi, die kein Englisch spricht, allein. Und oh mein Gott, es klappt so wahnsinnig gut. Ich liebe dieses kleine Energiebündel für seine Engelsgeduld mit mir, wenn ich auch beim dritten Mal nicht verstehe, was sie mir erzählen will. Und sie ist soo uuuunglaublich lieb. Erst mal haben wir ungefähr 1 1/2 Stunden in meinem englischen Grimms-Märchenbuch gelesen. Ich dachte echt, die Geschichten wären noch viel zu lang und kompliziert für Geduld und Wortschatz eines vierjährigen Kindes. Aber sie mag dieses Buch so gerne, dass sie mit einigen Worterklärungen und der Zeichnung eines Wildschweins und eines Hirschs die ganze Geschichte versteht.  Na mal sehen, ob ihr rausbekommt, um welches Märchen es sich handelt...

Hier eine typische Judykonversation:

J: "What is poison?"

D: "Something that makes you ill, when you eat it"

J: "What is ill?"

D: "Ill is, when you feel so bad, that you can't play and dance and eat anymore"

J: "So poison makes die?"

D: "Yes, It can make people die"

J: "OH, so poison is like some bad water"

D: "Yes, you got it :) "

J: "Oh, the bad mother is so so bad. She wants her died"

 

Na, habt ihr es erraten?

 

Den Rest des Nachmittages falten wir Papierflieger und damit spielen damit, singen ein Lied mit selbst kreiertem Text und malen Disneyprinzessinnen. Dieses Kind kann besser zeichnen, als ich (okay, keine große Kunst). Das ist echt schon fast peinlich. Trotzdem liebt sie alles, was ich kritzle, hebt es in einer Mappe auf und bewundert es jeden Tag aufs neue - und wehe, irgend eine Zeichnung fehlt. Hach ja, die kleine ist schon echt süß. Sie sagt mittlerweile auch ständig "I love you" zu mir, ist immer lieb, wenn ich it ihr alleine bin und und ich kann sie sogar dazu überreden, mir drei kleine Englisch-lernhefte vorzulesen, obwohl sie lesen üben nicht wirklich leiden kann.

 

 

 

 

Dienstag 7. August

Um acht aufzustehen, obwohl man erst um 10 das Haus verlassen muss ist echt die dümmste Idee, die man haben kann. Ich bin müde! Es ist das erste Mal, seit ich angekommen bin, dass ich wirklich müde bin. Es geht mal wieder in die Training School - Dieses Mal geht es um meinen Vertrag, meine Aufgaben, die Pflichten der Gastfamilie und vor allem Security, Security und noch mal Security.

Danach schaffe ich es irgendwie, mich nicht zu verirren, in der Metro umzusteigen, den richtigen Ausgang zu finden und meine Gastmutter, die mich vor der Metrostation treffen will unter hundert anderen Chinesinnen wiederzuerkennen. Am Nachmittag passiert nichts sonderlich spannendes mehr. Wir fahren zur Polizeistation, um mich in China zu registrieren, was etwa zwei-einhalb Stunden in Anspruch nimmt yell, ich spiele Papierflugzeug mit Judy, wir lesen, essen und gehen schlafen.

 

Mittwoch, 8. August - Schule hat noch nie so viel Spaß gemacht

Welch ein schöner Tag! An diesem Vormittag habe ich zu letzten Mal Einzelunterricht über Kulturunterschiede und Benimmregeln in der Trainingschool  Dann erzählt mir Mia, dass ich am Nachmittag mit zum Chinesischunterricht der beiden anderen Niederländischen Au Pairs Leon und Uri kommen kann. Das lasse ich mir natürlich nicht zwei mal sagen, schließlich will ich hier so schnell wie möglich mit den Einwohnern in ihrer Muttersprache kommunizieren können. Außerdem bin ich mal ganz froh, meine Zeit nicht immer nur zu Hause in der Wohnung zu verbringen. Also fahre ich mit der Metro nach Hause, wozu ich ca. eine dreiviertel Stunde brauche, spiele mit Judy, während Li-Ayi das Essen kocht, muss mich anschließend ganz schön beeilen und sprinte in die Metro. 

Dort steht doch tatsächlich ein anderer Ausländer in meinem Alter, mit Skateboard unter dem Arm. Da die Wahrscheinlichkeit, dass es der andere Holländer aus meiner Klasse ist und mir sein Gesicht irgendwie bekannt vorkommt, quatsche ich ihn einfach mal an. Es ist tatsächlich Leon, der genau so spät dran ist, wie ich und ich bin froh, nicht alleine den Weg zur HQ-Agency finden zu müssen.

 

Der Unterricht macht extrem viel Spaß. Zwar wird man mit viel zu vielen Vokaben in viel zu kurzer Zeit überhäuft und ich werde mir wohl nie alles merken können, aber Mia ist eine super liebe, motivierte und vor allem mega junge Lehrerin. Wir spielen mit Plasikobst kleine Szenen am Obststand und im Restaurant nach, um die Vokabeln zu festigen. Leon, der schon seit einem Jahr Chinesisch lernt, ist immer der Chef/ Restaurantbesitzer und zockt uns alle mit übertrieben hohen Obstpreisen ab. Klingt wahrscheinlich nicht so spannend, aber wir haben die Hälfte des Unterrichts nur rumgeblödelt und zusammen gelacht. Jetzt heißt es nur noch üben, üben, üben, damit ich die Vokabeln schnell in meinen Kopf bekomme.

 

Nach dem Unterricht setze ich das gelernte sogar gleich in die Praxis um und frage auf Chinesisch nach einem Notizbuch und dem dazugehörigen Preis. Man versteht mich und ich bin jezt stolze Besitzerin einen Emily Erdbeer - Chinesisch - Schreiblernheftes ^^

Anschließend fahren Leon, Uri, sein Gastkind (Tess Tochter) und ich zusammen mit der Metro nach Hause. Es muss echt ein ziemlich komisches Bild abgegeben haben: Drei Ausländer und ein kleines chinesisches Mädchen, das alle auf Englisch vollquatscht. Auf jeden Fall werden wir sehr ungläubig angestarrt. Uri zeigt mir auf dem Heimweg dann gleich noch den Supermarkt und den Rest des Abends beschäftige ich mich mit Judy.

Außerdem gehe ich noch mal schnell zu Tess' Familie, da wir ja in den Urlaub fahren und wir unsere Schildkröten bei ihr unterbringen wollen. Die Gastfamilie will auch gleich mit mir quatschen und mich am liebsten noch zum Essen einladen, aber irgendwann muss ich ja auch mal arbeiten ^^

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf, die traditionelle Seite Chinas ländlicher Gebiete kennenzulernen (wo man übrigens keine ärmellosen Tshirts und kurze Hosen tragen darf und ich deswegen wahrscheinlich vor Hitze sterben werde)

Ich melde mich dann wieder aus der Anhui Provinz, lasst es euch bis dahin gut gehen! 

 

 

 

07August
2017

Hotpot, Shoppingmall und interessante Gespräche

 Ja, der Titel fasst so ziemlich alles zusammen, was die letzen beiden Tage in China so passiert ist, die Lese-Faulies unter euch können sich den Rest also sparen ^^ 

Nun sind schon wieder zwei Tage vorbei, seit ich hier in China bin. Die Zeit rast so unglaublich schnell, das ich nicht mal dazu komme, meinen Blog zu schreiben, ohne ewig spät aufzubleiben. Aber irgendwie braucht man in China auch viel weniger Schlaf.

Nach einer relativ kurzen Nacht wache ich also am Sonntag von Küchengeklimper und Judy-Geqietsche auf, da ich den Wecker eine Stunde vorher scheinbar im Schlaf wieder ausgeschalten habe. Zum Frühstück gibt es Mantou -Brötchen (eine art gedämpfter Hefekloß), Sojamilch und eingelegtes Gemüse. Danach widmen wir uns Judys Lieblingsbeschäftigung: Disneyprinzessinen zeichnen. Es ist echt peinlich, das dieses Kind besser Menschen zeichnen kann, als ich. Nach einer Weile erklärt mir meine Gastmutter, wie ich udys schriftliches Englisch verbessern soll und trägt uns auf, jetzt jeden Tag mit Judy 5 kleine Englischlernhefte zu lesen. Das sieht dann folgendermaßen aus: Judy streikt kurz, weil sie nicht lesen will, stellt nach einer Minute fest, dass es ihr doch Spaß macht und in den Büchern viele Bilder sind und liest dann die Sätze in den Büchern laut vor. Manchmal buchstabiert sie das Wort auch erst und setzt es dann zusammen. Ich korrigiere sie dann, falls es falsch war, helfe ihr bei schweren Wörtern, sie richtig zu betonen und lobe sie ganz viel, wenn sie richtig liest. Es ist echt beeindruchend, wie früh die Kinder hier anfangen, in Fremdsprachen sogar schon zu lesen und zu schreiben. Immerhin iwird sie nächste Woche erst fünf.

Nachdem wir am Ende sogar 10 Bücher gelesen haben, schauen wir zusammen den Anfang eines Films auf Englisch. Darin geht es um ein kleines Kaninchenmädchen namens "Judy", das Polizist werden will. Keiner traut ihr zu, dieser Aufgabe gewachsen zu sein, doch dann rettet sie alle Tiere und lehrt dem bösen Fuchs, nett zu anderen Tieren zu sein. Also ein echt niedlicher Film. Und weil Judy das Kaninchen so sehr mag, haben sie ihren englischen Namen danach ausgewählt :) Das ist so knuffig.

Nach dem Mittagsschlaf, den ich nutze, um ein bisschen Chinesisch zu lernen, fahren wir in eine Mall. Das ist mehr oder weniger ein großer Platz mit Einkaufszentrum, ganz vielen Restaurants und Spielplätzen. Während Judy mit ihrem Vater auf den Spielplatz geht, werde ich von meiner Gastmama in die Mall entführt ^^ Also schauen wir uns dort ein bisschen um und trinken ganz komischen "Eistee". Ich hatte zum beispiel einen kalten grünen Tee mit gezuckertem Milchschaum oben drauf. Auf dem Milchschaum war ein grünes Gewürz, das nach Zimt geschmeckt hat, aber der Tee selbst war gesalzen. Es hat echt putzig geschmeckt, aber ich würde mir das jetzt nicht unbedingt noch mal bestellen. Meine Hostmom schien es aber auch nicht so wirklich zu mögen. Danach gehen wir beide noch in der Mall bzw. draußen spazieren und setzen uns an einen künstlichen kleinen See, auf dem ganz viele Boote herumfahren. Es ist echt wunderschön hier, alles sehr modern und grün und es sind fast nur junge Leute unterwegs (Shenzhen ist die Stadt mit der jüngsten Population in China, da es erst vor 40 Jahren aus einem kleinen Fischerdorf errichtet wurde und deshalb fast alle Einwohner aus anderen Städten hinzugezogen sind.) 

Ich kann es übrigens nur immer wieder betonen, wie nett meine Gastfamilie ist und wie wahnsinnig gut sie Englisch sprechen. Meine Gastmama und ich haben uns bestimmt 2 Stunden lang richtig tiefgründig über alles mögliche unterhalten. Das Alzheimer ihres Vaters, unsere tiergestützte Therapie (davon war sie total begesitert), die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem chinesischen Gesundheits- und Sozialsystem, Bevölkerungswachstum und Einkindpolitik und die Tatsache, dass es viele sehr reiche Stadtbewohner in China gibt, die Leute auf dem Land aber teilweise extrem arm sind.

Meine Gastfamilie ist ja schon ziemlich wohlhabend, wenn ich mir so die größe des Appartments, die Nobelrestaurants in denen wir immer essen, das Auto und die Gebühren für Judys Kindergarten so ansehe. Aber trotzdem lassen sie es nicht heraushängen bzw. fühlen sich irgendwie bessergestellt. Im Gegenteil, ihr Weltbild ist sehr sozial, tolerant und weltoffen. Es ist ihnen z.B. sehr wichtig, dass Judy teilen lernt, nett zur andern Leuten (vor allem zur Ayi) ist, im Haushalt mithilft und lernt, dass es nicht alle Kinder so gut haben, wie sie. Sie wollen, wenn Judy älter ist, sogar mit ihr in ärmere Provinzen fahren, wo sie in den Sommerferien Praktika in irgendwelchen sozialen Institutionen absolvieren soll. 

A propos Nobelrestaurant... An diesem Abend sind wir Hotpot im berühmtesten Hotpotrestaurent Shenzhens essen gegangen. Das hat 24/7 geöffnet und manchmal muss man drei Stunden warten, bis man dran ist, wenn man nicht vorher einen Tisch reserviert. 

Hotpot ist so eine Art Fondue mit heißer, scharfer Soße. Man hat ganz vielen verschiedene Zutaten (1000 Sorten Gemüse, Fisch, Krabben, Garnelen, Rindermagen, noch mehr Gemüse, Nudeln und Tofu, etc.) die man nach und nach in die Soße schmeißt, einige Minuten kocht und dann mit seinen Stäbchen herausfischt. Dazu gibt es traditionell Erdnussoße zum dippen. Es ist einfach nur extrem lecker, Vegetarierfreundlich (wie alles chinesische Essen bisher) und ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum die Idee noch keiner mit nach Deutschland gebracht hat !!!

Was außerdem total cool ist, ist die Kultur dahinter. Der Hotpot stammt aus Sichuan, wo es im Winter sehr kalt und feucht ist. Deshalb isst man das Essen, während der Rest noch köchelt, damit es schön heiß ist und es ist sehr scharf, damit man die Feuchtigkeit ausschwitzt. Dann gibt es eine extrem interessante Art, wie die Nudeln gemacht werden. Die werden nämlich kunstvoll durch die Luft geschleudert und damit vor den Augen der Zuschauer auseinandergezugen, so dass man am Ende eine ganz lange Nudel im Topf hat. 

Als der Nudelmensch gesehen hat, dass ein "Foreign friend" / "Laowei" am Tisch sitzt, wurde erst mal der Küchenchef benachrichtigt und dann das volle Programm aufgezogen. Ein Maskenkünstler aus Sichuan hat eine total eindrucksvolle Akrobatik-/ Zaubershow gezeigt, in der er innerhalb von Millisekunden seine Masken gewechselt hat. Das ist schwer zu beschrieben, googelt einfach mal nach "Sichuan mask performance."

Irgendwann halb 11 waren wir dann auch wieder zu Hause. Geschlafen habe ich aber trotzdem erst um zwei, da ich erst mal nach Hause telefoniert habe und Abends immer noch nicht so richtig einschlafen kann. Müde bin ich trotzdem kein bisschen.

 

Bitte seid nachsichtig mit möglichen Rechtschreibfehlern oder Sätzen, die keinen Sinn ergeben. Es ist schon wieder halb 12 und ich hab echt keinen Bock, das alles noch mal durchzulesen.

Gute Nacht tongue-out

 

05August
2017

Gedanken im Flugzeug

4. August 2017

Ach du Kacke. Ich kann es noch immer nicht so richtig fassen. Jetzt sitze ich tatsächlich im Flugzeug nach China und es gibt kein Zurück mehr. In weniger als 24 Stunden werde ich meine Gastfamilie treffen und von da an ein ganzes Jahr lang als Au Pair im Reich der Mitte leben. 

Momentan bin ich gar nicht mal wirklich aufgeregt, sondern eher entspannt. Und das, obwohl der Flug eine Stunde verspätet war und ich nachher am Flughafen von Abu Dhabi wahrscheinlich ziemlichen Stress haben werde. 

Der Abschiedsschmerz der letzten Tage hat sich jedenfalls in pure Wanderlust und Vorfreude auf viele neue Erfahrungen verwandelt. Teilweise habe ich im Flugzeug sogar richtige kleine Grinseanfälle, weil ich langsam realisiere, dass ich tatsächlich den Mut habe, das durchzuziehen und mich auf die vielen neuen Erfahrungen freue. 
Die Ängste und Zweifel von gestern Abend haben sich einfach so in Luft aufgelöst. 
Und vor allem die letzten Wochen haben mir noch ein mal mehr gezeigt, was für tolle und liebenswerte Menschen ich um mich habe, ohne deren Unterstützung ich diesen Schritt sicher niemals gewagt hätte. 


Update:
Es ist jetzt 10:00 Uhr in Hongkong und wir beginnen langsam aber sicher mit dem Landeanflug. Ich muss sagen: fliegen fetzt. Es macht mir tatsächlich absolut nichts aus, so lange in Flugzeug zu sitzen. Der Flieger von Airberlin war zwar sehr beengt, aber immerhin hatte ich einen Fensterplatz mit super Blick auf Berlin und Abu Dhabi und eine gute Filmauswahl. Die Ethihad- Maschine in der ich jetzt gerade sitze ist einfach der Hammer. Der Innenraum ist hübsch gestaltet, man hat relativ viel Beinfreiheit, das Personal ist extrem freundlich und an Essen und trinken geizen sie auch nicht. Ich bin glaube ich vorher noch nie von Flugzeugessen richtig satt geworden und es hat auch bisher nie wirklich geschmeckt. 
Und das beste: man hat ein Reiseset mit Zahnbürste, Schlafmaske, Nackenhörnchen, Decke und Kuschelsocken für den Flug bekommen. Ich meine Kuschelsocken!! Wie geil ist das denn? 
Schlafen konnte ich allerdings trotzdem nicht so viel, aber nach einem Kaffee mit ganz viel Zucker halten sich meine Kopfschmerzen mittlerweile wieder in Grenzen. 

Was allerdings nicht so cool war, war dass mein erster Flug eine Stunde Verspätung hatte und ich insgesamt 20 Minuten Zeit hatte, um aus dem Flieger raus, durch die Sicherheitskontrolle, ein mal durch den gesamten Flughafen (und der ist riesig, glaubt mir) und noch ein mal durch die Kontrolle zu gehen. Muss ein sehr lustiges Bild gewesen sein: Dany im Schweinsgalopp mit vollbepacktem Rucksack und Kissen unterm Arm quer durch die schlendernde Menschenmenge 

Die Leute im Flugzeug um mich herum sind auch alle extrem nett. Vor mir sitzt eine 19-jährige Engländerin, die ihre in Hong Kong lebende Freundin besucht, die sie beim Backpacken kennengelernt hat. 
Hinter mir eine Italienerin, die sich die ganze Zeit mit einer Chinesin über ihre geplante China Rundreise unterhält und neben mir ein chinesischer Architekturstudent, der gerade von einem Auslandssemester in Paris zurückkehrt. Er hat mich einfach mal auf 25 geschätzt 🙈und mir erzählt, dass Winnie-Pooh in China verboten wurde, weil irgendein Komiker mal den Witz gemacht hat, dass er einem Regierungsoberhaupt ähnlich sieht. Kann man mal machen ^^


Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf dieses Land und halte euch auf dem Laufenden. 

25Juli
2017

Bald geht es los

Nur noch 10 Tage und ich fliege nach China und beginne ein Jahr als Au Pair in einer chinesischen Gastfamilie. Die wichtigsten Vorbereitungen sind langsam abgeschlossen, der Flug gebucht und einem erfolgreichen Aufenthalt steht hoffentich nichts mehr im Wege. 

Jetzt werden noch fleißig Gastgeschenke gekauft, gehäkelt (danke Mama!) und zusammengepackt, Abschiedsgeschenke für die Liebsten gebastelt und irgendwo in diesem ganzen Trouble werde ich wohl auch mal meinen Koffer packen müssen. 

Meinem Abflug stehe ich momentan mit gemischten Gefühlen gegenüber. So wirklich gut vorbereitet fühle ich mich noch nicht, meine Chinesischkenntnisse sind mehr als rudimentär und eigentlich fühle ich mich zu Hause gerade pudelwohl. Aber bekanntlich soll man ja gehen, wenn es am schönsten ist.

Und ich freue mich auch unglaublich auf diese neuen Erfahrungen, die einzigartig fremde Kultur und die vielen interessanten Menschen, die mich ein Stück meiner Reise begleiten werden. Es wird definitiv ein spannendes Jahr, in dem ich wahnsinnig viel lernen, über mich hinauswachsen und tolle Erlebnisse sammeln werde. 

Ich versuche, euch immer auf dem Laufenden zu halten und euch an diesen Erfahrungen ein klein wenig teilhaben zu lassen.

Also schon mal danke an alle, die sich mein Geschwafel freiwillig durchlesen und vor allem danke, dass ihr mich so fleißig unterstützt, sei es durch Mithilfe bei den Vorbereitungen, ertragen meiner schwankenden Gemütszustände oder Umarmungen in stressigen Momenten!